Kultur : "Musical Stages: Kurt Weill und sein Jahrhundert"

Uwe Friedrich

Kurt Weill war ein kleiner Mann. Schätzungsweise ein Meter sechzig, höchstens. Mit seiner großen Brille, den dunklen Augen und seinem runden Gesicht wirkte er immer ein bisschen kindlich. Kaum zu glauben, daß Lotte Lenya bei ihm "das Gruseln" gelernt haben soll - wie er in einem berühmten Brief an seine Ehefrau schrieb. Wenn der Komponist den Besuchern der Austellung "Musical Stages: Kurt Weill und sein Jahrhundert" nun auf einem Foto lebensgroß entgegentritt, ist das eine schöne Überraschung. Der Effekt wiederholt sich noch einmal, wenn Weill im amerikanischen Exil lässig an einer Veranda lehnt, ebenfalls in Lebengröße - und das nicht lange, bevor er sterben wird.

Zwischen den beiden Fotos präsentiert die Ausstellung in der Akademie der Künste zum 100. Geburtstag und 50. Todestag Kurt Weills seine Biographie in chronologischer Reihenfolge: Dokumente und Fotos aus dem Nachlass, zusammengestellt von Kuratoren der Kurt-Weill-Foundation und der New York Public Library. Herausgekommen ist dabei eine Art begehbares Buch - viel Lesestoff also für den Besucher der Schau. Immer wieder stellt sich dabei der Zauber des Originals ein. Ein Bruchstück der berühmten "Dreigroschenoper-Tapete" mit Mackie Messer und der Seeräuber-Jenny etwa taugt als frühes Beispiel für geschicktes Merchandising - ausgerechnet mit einem antikapitalistischen Stück; oder Partituren bedeutender Werke in Weills gestochen scharfer Notenschrift. Allerdings neigt die Ausstellung dazu, den biographischen Einschnitt des Exils zu verwischen. Damit steht sie im Einklang mit dem Credo der Weill-Foundation, das besagt, zwischen dem "deutschen" und dem "amerikanischen" Weill gebe es keinen stilistischen Unterschied. Dem Besucher soll suggeriert werden, der Meister sei immer gleich genial gewesen.

Von der Verschiedenheit jedoch kann man sich an den Audiostationen leicht selbst überzeugen, wo allerlei Musikschnipsel angeboten werden. Darüber hinaus werden Ausschnitte aus Film- und Fernsehprojektionen per Video vorgeführt. Sie machen Lust auf jene Hollywoodfilme, die leider nur im Plakat präsent sind.Bis 16. April, montags von 13 bis 19 Uhr, dienstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr.

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