Musik : Anrufbeantwortermelodien - Die Liedermacherin Kat Frankie

In ihren Liedern bricht die Welt zusammen: Kat Frankie hat sich in der Berliner Liedermacherszene längst etabliert. Aber auch britische und australische Musikmagazine loben ihr Talent.

Katja Reimann
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Schmerzenspoetin: Die Australierin Kat Frankie. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ganz in Schwarz, eine dunkle Haarsträhne im Gesicht und mit nackten Füßen sitzt Kat Frankie auf einem Barhocker. Auf ihren Knien balanciert sie eine akustische Gitarre, und um sie herum, auf dem Teppichboden des Intersoup in Prenzlauer Berg, kauern ihre Zuhörer, kaum eine Armlänge von ihr entfernt. Es sind Studentinnen, ein paar Pete-Doherty-Lookalikes mit filzigem Hut und mittelalte Frauen, die ihre Freunde mitgezerrt haben – das sind die Herren in Oberhemden, die sich nahe am Ausgang herumdrücken. Mädchen mit Gitarre, denken die, klar, das ist wieder so eine Folk-Braut, Frauenmusik. Doch dann fängt Kat an zu singen, ganz leise erst, zupft vorsichtig an den Saiten, schlägt dann den ersten Akkord an – und die hemdsärmeligen Männer sind ruhig.

Kat Frankie klingt verletzt und wütend, als sei ihr alles egal und als müsse sie das jetzt und sofort herausschreien. Wie ein Strudel zieht sie alle um sich herum mit hinein in diesen Schmerz, flüstert die Ballade „Boy Wolf“, lässt ihre Stimme zittern und sich überschlagen, wenn sie singt: „This is how it ends / Eating your heart out again“. Und während in ihren Liedern die Welt zusammenbricht, sitzt die zierliche Sängerin ganz ruhig auf ihrem Hocker, nur die Zehen an ihren nackten Füßen verkrampfen ab und zu. Kats Stimme klingt ein bisschen rau und ziemlich tief – irgendwie zu tief für eine so schmale Person. Manche behaupten, sie klinge wie PJ Harvey. Ein Kompliment, findet Kat, schließlich sei PJ Harvey „fucking brilliant“.

„Singen kann ich gut“, sagt die 29-Jährige über sich selbst, an einem anderen Abend in einer Kreuzberger Bar. Ein paar Tage zuvor ist sie aus Australien zurückgekommen, wo sie einen Monat lang durch Clubs tourte und ihre Familie besuchte. Dann rief auch noch Ian Brown, ehemaliger Sänger der legendären englischen Band Stone Roses, an und bat sie, mit ihm in Hamburg zu spielen, was sie natürlich tat. Die müden Augen versteckt sie hinter einer großen dunklen Sonnenbrille, an beiden Seiten des Kopfes hat sie ihre Haare abrasiert, der Rest ist zum Zopf gebunden. Über ihrem schwarzen Hemd trägt sie ein lila-blau kariertes Jackett. Kat Frankie ist cool. Ohne Attitüde, ohne es sein zu wollen. Einfach so.

Vor dreieinhalb Jahren zog die Musikerin von Sydney nach Berlin. Australien, wo sie an einer Kunsthochschule studiert hat, erschien ihr irgendwann zu weit weg vom „Rest der Welt“. Eigentlich wollte sie ein bisschen durch Europa reisen, doch in Berlin, der Stadt mit den günstigen Mieten, blieb sie dann hängen. In der Berliner Liedermacherszene hat sie sich längst etabliert, auch britische und australische Musikmagazine loben ihr Talent. Im Winter erschien das Debütalbum „Pocketknife“ beim Berliner Label Solaris Empire, die nächste CD soll Ende des Jahres fertig sein. Und inzwischen kommen so viele Fans zu ihren Konzerten, dass sie sich langsam nach größeren Räumen umschauen muss. Das sei zwar einerseits toll, aber auch ein bisschen schade, sagt Kat. Denn die Wohnzimmeratmosphäre, die sie so gerne mag, ist in großen Clubs natürlich hinüber.

Öffentlich singen, das sei für sie so etwas wie ein Gespräch unter Freunden, die darüber reden, wie es gerade so geht im Leben. Wenn man ihre Texte hört, hat man allerdings das Gefühl, es gehe ihr nicht so besonders, auch wenn die Melodien schön und harmonisch sind. Kat lacht. Nein nein, es gehe ihr gut. Und doch singt sie meist von unglücklicher Liebe, vom Beziehungsende und von wütenden Auseinandersetzungen. „Universelle Dinge“, wie sie sagt. Und überhaupt, Lieder übers Schlussmachen könnten doch auch hoffnungsvoll sein, oder?

Geprägt wurde Kat Frankie von der Lieblingsmusik ihrer Mutter, Annie Lennox etwa, oder Simon and Garfunkel. Den ersten eigenen Liedtext schrieb sie als Sechsjährige auf eine Rolle Faxpapier, die sie im Flur ausbreitete. Er handelte von Dinosauriern. Heute setzt sie sich zum Komponieren ganz diszipliniert in ihrer Kreuzberger Wohnung an einen Schreibtisch. Wenn ihr im Supermarkt eine Melodie einfällt, dann ruft sie sich selbst auf dem Mobiltelefon an und summt auf den Anrufbeantworter. Dass sie einmal von ihrer Musik leben könnte, das hätte Kat Frankie nie gedacht. Doch inzwischen klappt es ganz gut, sagt sie, grinst, hält Daumen und Zeigefinger hoch und drückt sie fast ganz zusammen: „So gut.“

(Konzert am 29. 5., 21 Uhr im Bang Bang Club, Neue Promenade 10, Mitte)

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