Musik : Bettina Wegner gibt auf

Die Berliner Liedermacherin Bettina Wegner verabschiedet sich 2007 mit einer letzten Tour von ihren Fans. Sie werde "das Singen als Beruf aufgeben", sagte Wegner.

Berlin - "Die Umstände, unter denen man diesen Beruf ausüben muss, sind einfach schrecklich geworden", betonte sie in der Zeitschrift "Melodie & Rhythmus". Der Druck im Unterhaltungsgeschäft mache, "dass du dich nicht mehr als Mensch, sondern als Ware fühlst. Damit kann und will ich mich nicht mehr abfinden." Wenn ein schönes Projekt kommen sollte, werde sie das jedoch "aus Spaß machen, ohne Druck". In Berlin tritt Wegner am 24. März im Freizeitforum Marzahn auf.

Wegner ("Kinder") sagte weiter, auch der Begriff Liedermacher sei "einfach out". Die Liedermacher von heute seien HipHopper und Rapper oder junge Pop- und Rockgruppen mit politischen Texten. "Die Form, mit der wir mal antraten, hat sich einfach überholt. Ich selber finde es auch nicht mehr schön, wenn irgendwo jemand mit der Gitarre auf die Bühne springt und sein Herz ausschüttet."

Mit Blick auf ihre Zukunft verriet die 59-Jährige, in ihrem Schreibtisch liege schon seit zehn Jahren der Plot zu einer langen Prosageschichte: "Da setze ich mich dann ran, ohne zu wissen, wird es eine dicke Erzählung oder ein Roman, aber auf keinen Fall schreibe ich eine Autobiografie."

Wegner wurde am 4. November 1947 geboren. Seit 1973 trat sie in der DDR als freie Künstlerin mit eigenen Liedern und lyrischen Texten auf. 1976 protestierte sie gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, was für sie zu eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten in der DDR führte. 1983 wurde Wegner vom Kulturministerium zur Übersiedlung in die Bundesrepublik aufgefordert. Bei Antifa-Veranstaltungen und Initiativen gegen Rechtsextremismus ist die Künstlerin ein gefragter Gast. (tso/ddp)

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