Kultur : Musik-Comedy mit Schwarztee

Norbert Tefelski

Drei wie einst im Mai halten den ganzen Dezember über im temporären "Helgemaxx" Hof, als wäre nichts gewesen: Peter Thoms (Schlagzeug), Buddy Casino (Orgel) und Helge Schneider (Gitarre, Klarinette, Mundharmonika, Akkordeon, Basis-Schlagzeug, Balalaika, Xylo-, Vibra-, Saxofon, Trompete, Panflöte, Honky-Tonk-Flügel). Die "Hardcore"-Besetzung von 1990 bis 1994 spielt episch gestreckte Hits ("Katzenklo", "Fitze-Fatze") und Semi-Hits ("Telefonmann", "Bonbon aus Wurst") sowie eventuelle Hits von morgen. Jeden Tag soll ein weiterer Titel dazu kommen - was hieße, dass sich die kleine Combo im Januar mit einem komplett neuen Programm von Berlin verabschieden würde. Wäre nicht übel, denn häufen sich die Selbstzitate allzu penetrant, lässt irgendwann der schönste Kult kalt. Der Premierenabend also bot Helge as usual, in der bekannten, original nachgeschneiderten 70er-Jahre-Pelle, deren Enge zu typisch grotesken Bewegungen zwingt. Sichtlich vergnügt begleiten die gut eingespielten Kumpels wohlgelittene Tee- und Gaga-Rituale des deppert-despotischen Meisters. Menge und Qualität der improvisatorischen Sidesteps hängen wie immer von seiner Tagesform ab. Ist die gut, reißen nach wie vor Überraschungsmomente aus dreist ereignislosen Löchern. Neben absurden Monologfetzen fesseln vor allem musikalische Faxen. B.B.King-alike den Sitz-Blues zelebrierend oder als ächzend potpourrierender Jarrett-Beethoven-Clyderman-Verschnitt beweist olle Schneider mal wieder, dass ein Musikclown mit Bestand diesen "Stofffetzen" namens BKA-Luftschloss okkupiert (auf dem Schlossplatz bis 31.12., Di-So, außer 10.12., 20 Uhr) - weswegen auf dem Banner überm Eingang niemals "Guildomaxx" oder so stehen könnt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben