Musik : Endzeit macht die Katze tot

Humor aus dem Ruhrpott: Helge Schneider jazzt im Admiralspalast - mit seiner Combo, einem Koffer voller Instrumente und einem Hund.

Moritz Gathmann
Helge Schneider
Immer für einen Spaß zu haben. Helge Schneider steht für Nonsen mit Musik. -Foto: ddp

BerlinAl Gore hat es in den Kinosälen der Welt gepredigt, mit Hilfe von Statistiken, Bildern und Appellen: Da braut sich was zusammen am Horizont der Menschheit, das Ende ist nicht weit. „AKOPALÜZE NAU!!!“, warnt auch ein anderer, aber die Mittel, mit denen er diese ungute Nachricht überbringt, sind weitaus bescheidener. Helge Schneider betritt die Bühne des Admiralspalasts mit einem Koffer voller Instrumente, seiner bewährten Jazzcombo und einem Hund.

Wieder schlägt er nun für knapp drei Wochen sein Beduinenzelt in Berlin auf, um die Hauptstädter in die Abgründe des Ruhrgebietshumors zu werfen. Und obwohl das aktuelle Programm nur die letztjährige „I brake together“-Tour variiert, ist die Hälfte der nicht gerade billigen Auftritte schon wieder ausverkauft. Das mag daran liegen, dass Schneider Jazz macht, ganz egal, ob er am Klavier sitzt, in die Trompete bläst oder Geschichten erzählt: Sein Witz besteht nicht in ausgefeilten Pointen, sondern in Variationen an sich ausgelutschter Themen. Zum Beispiel „Wetten dass...“: Das findet Schneider langweilig, wegen Wetten wie dieser: „Eine Frau, die wettet, sie könne von innen an Kartoffelschalen riechen, wer neben dem Stand, wo die Kartoffeln gekauft wurden, falsch geparkt hat!“ Das ist fern jeden Comedy-Club-Humors.

Noch viel mehr liebt es Schneider, sich in der Frage nach der menschlichen Existenz zu verirren: Dann schreitet er in Professorenmanier über die Bühne, macht nichts erklärende Handbewegungen und schlussfolgert: „Wir sind quasi non existere in petto. Es fällt uns nur schwer, zu begreifen, dass es uns nicht gibt, weil hin und wieder was über uns in der Zeitung steht.“ Auch Reisegeschichten erzählt er gerne, zum Beispiel, wie er an der Chinesischen Mauer mal hintereinander eine Wanze auf der Lauer und drei Chinesen mit dem Kontrabass getroffen hat. Zwischendurch gibt es echten Jazz, und den meist ganz ohne Albernheiten. Die gute Nachricht zum Schluss: „Katzeklo“ wird nicht gespielt. Manche Dinge sind einfach durch keine Variation der Welt mehr zu retten.

„AKOPALÜZE NAU!!!“, bis 24.2. täglich außer Montag im Admiralspalast.

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