Kultur : MUSIK IN BERLIN - Alle guten Geister

ECKART SCHWINGER

Als musikalische Botschafter Israels traten bereits im Mai dieses Jahres einige junge Mitglieder des Jerusalem Symphony Orchestra im Schauspielhaus in Aktion und erfreuten anläßlich des 50jährigen Bestehens ihres Staates mit einem eleganten Musizierstil.Nun kam das gesamte Orchester im Rahmen seiner Tournee nach Berlin und beeindruckte in der Philharmonie auf dem großen sinfonischen Feld in festlicher Form.Seinem musikalischen Direktor David Shallon ist es zu danken, daß es aus dem Schatten des Israel Philharmonic Orchestra endgültig herausgetreten ist und mit einem eigenen, modernen Klangprofil hervortritt.

Auch an diesem Abend lenkte er das Geschehen absolut sicher, straff und sehr subtil zugleich.Shallon und sein in allen Gruppen sattelfestes Orchester ließen sogleich bei einem unterhaltsamen neuen Werk aus Israel alle guten Geister eines ergötzlich virtuosen Musizierens aufspazieren.Es erklang die im Auftrag des Orchesters zur 3000-Jahr-Feier Jerusalems entstandene Komposition "Flute 3000" von Shlomo Gronich, einem Bruder des in Berlin lebenden Geigers und Gründers des Ensemble Oriol.Shlomo Gronich ist, was man nicht überhören kann, sowohl in der E- wie der U-Musik zu Hause.Selbst zünftiger Popmusik weicht er in seinem Stück nicht aus, in dem die Flöte gleichsam leitmotivisch eingesetzt ist und verschiedensten Wandlungen und Verfremdungen unterworfen wird.Es reflektiert einiges in so rückwärtsgewandt-verträumter wie aufgekratzt-heutiger Weise aus Geschichte und Gegenwart Jerusalems.Die sich kaleidoskopisch ändernden Farben dieser launigen Klangreise durch die Zeiten, der lange Monolog des Solisten im Tonfall der Panflöte, die Klangbündelungen à la Penderecki, die gebetsartigen Ruhepunkte und poppigen Partien fügen sich zu einem bilderreichen Werk voller Kontraste und Klangeffekte.Frei von einigen vordergründigen Wirkungen ist es freilich nicht.Der gefeierte Noam Buchman erwies sich dabei auf der Flöte als ein Klangjongleur der geschmeidigsten Art.

Ebenso feinspürig wie fesselnd war die Interpretation des Cellokonzertes von Edward Elgar durch Antonio Meneses.Er förderte auf kantabelste Weise die Kraft des Leisen zutage.Auch das Orchester kam mit schönen Pianissimo-Schattierungen der vornehm-introvertierten Art Elgars entgegen.Wie aus einem Guß war schließlich die rundum aufgehellte, energiesprühende Darbietung der "Achten" von Dvorák.Nichts Schmachtendes und Verschwommenes kam da herüber, sondern eine scharf vorantreibende, ganz und gar zeitnah zugespitzte Bewegungsintensität.

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