Kultur : MUSIK IN BERLIN: Danke!

Es sind Opernabende wie dieser, die klarmachen, daß es sich eben doch lohnt, für die Zukunft der Deutschen Oper zu kämpfen.Ein kleines Repertoire-Wunder fand da an einem ganz normalen Dienstag bei einer ganz normalen Alltagsaufführung von Puccinis "Madame Butterfly" statt: Zwei junge, stimmlich wie optisch ideale Protagonisten treffen aufeinander - und schon lebt die alte Pier Luigi Samaritani-Produktion von 1987 wieder, entfaltet plötzlich ihre einstige atmosphärische Kraft.Selbst die mittelschweren Bühnenpannen (ohne die es in der Bismarckstraße derzeit wohl nicht geht) fallen da kaum ins Gewicht.So sehr ziehen Cheryl Barker als Cio-Cio-San und Zoran Todorovich als Pinkerton in ihren Bann, daß ihr Liebesduett auch dann ein glückstrunkenes Nachtstück bleibt, als es zwischendrin unvermittelt taghell auf der Bühne wird.Cheryl Barker ist Cio-Cio-San, jeder Aufschwung ihres hellen Soprans zeugt von Rollenidentifikation, Körperspannung und kluger stimmtechnischer Disposition.Zoran Todorovich wahrt als Pinkerton mit eleganter Virilität die Balance zwischen strahlendem Draufgängertum und lyrischer Zärtlichkeit.Aber es wird auch Ensemblegeist spürbar an diesem Abend, alle lassen sich mitreißen von der Zugkraft des Paares, eine wunderbare Spannung und Spielfreude erfüllt die Szene.Johan M.Arnell hüllt gemeinsam mit dem bestens aufgelegten Orchester beide Protagonisten in bittersüße Klänge, die mühelos mit der üppigen Farbigkeit der Seidenvolants der Bühne konkurrieren können.Es wäre wirklich schade, wenn am zweiten (und vorerst letzten) Abend in dieser Besetzung heute um 19.30 Uhr wieder so viele Plätze freiblieben wie vorgestern! F.H.

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