Kultur : Musik in Berlin: Engelsglanz

Felix Losert

Britische Stilmöbel als Requisiten für eine Weihnachtskrippe? Wenn sie aus Noten gemacht sind, warum nicht! Das Deutsche Kammerorchester bot am Zweiten Feiertag im Kammermusiksaal der Philharmonie altenglische Musik und solche, die es gern gewesen wäre: Trotz der Molltonart tanzt zunächst Henry Purcells Chaconne g-moll zwischen den solistischen Streichern und dem gezupften Bass hin und her. Mit wenig Bogendruck, messa di voce und fachgerechten Verzierungen soll eigentlich auch Händels Concerto Grosso op.6 Nr.10 tanzen - preußische Disziplin und starrer Uhrwerksrhythmus können hier agogische Detailarbeit nicht ersetzen. Spielt man dagegen Peter Warlocks "Capriol"-Suite so kerzengerade wie das Kammerorchester, tut man genau das Richtige. Die unterhaltsame und witzige Kollektion von Tänzen des 16. Jahrhunderts, die Warlock in den 20er Jahren bearbeitete, geht dann nämlich noch heute in die Beine.

Was bei Warlock noch im Stück steckt - nämlich die Vermeidung jeden Hochlandnebels -, das macht Knut Zimmermann zum Interpretationsansatz für Elgars Streicherserenade. Ohne auf wachsweichen Geigenschmelz zu verzichten, gebietet er vom ersten Pult aus mit ganzem körperlichen Einsatz dem Hang zum Zerfließen der kleinteiligen Themen Einhalt. Mit so angenehm schnellen Tempi und so weiter Dynamik ist das Stückchen fast nie zu hören.

Die Nuancenvielfalt des mittelstimmen-starken Streichercorps des Deutschen Kammerorchesters kam auch der melancholischen Kantate "Dies Natalis" des Zeitgenossen Gerald Finzi zugute. Der irische Wahlberliner Paul McNamara stellte sich mit dieser introvertierten Vertonung mystischer Reflexionen dem Berliner Publikum vor. Seine helle, wandelbare und sehr tragfähige Tenorstimme fügte sich mal in den Streicherklang ein, mal überstrahlte sie ihn. McNamara verlieh dem so dunkel gebeizten musikalischen Stilmöbel und damit auch dem ganzen englischen Weihnachtskonzert den nötigen Engelsglanz.

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