Kultur : Musik in Berlin: Gesucht, verloren, vergessen

Uwe Friedrich

Die CD zum Konzert liegt schon in den Geschäften, auch der Kamerakran während der Aufführung in der Parochialkirche zeugte vom multimedialem Marketing des "transmusicart Project Lost Objects" der New Yorker Musikergruppe "Bang on a Can". In diesem modernen Oratorium geht es um verlorene Dinge, um untergegangene und vergessene Sachen, um vermisste Personen, um den Verlust kleiner und großer Dinge. Die drei Musiker Michael Gordon, David Lang und Julia Wolfe, auch bekannt als "Bang on a Can" haben die minimalistische Musik dazu geschrieben. Sie kommen aus dem Umkreis des Altmeisters Steve Reich und kopieren ihn mitunter unverfroren, jedoch ohne dessen Qualitäten auch nur ansatzweise zu erreichen. Wo Reichs Musik mit rhythmischen Verschiebungen verstörend wirkt, bewegen sich "Bang on a Can" in den sicheren Gefilden gerader Takte, die vom Dirigenten Roger Epple wenig spritzig durchgeschlagen werden. Das hat keinen Anfang und kein Ende, hat keine Mitte und keinen Rand, keine Höhepunkte und keine Tiefpunkte und könnte immer so weiter gehen wie dieser Satz, der sich beliebig verlängern ließe bis an das Ende allen Zeitungspapiers.

Die musikalische Umsetzung des mäßig inspirierten Werks ist allerdings erstklassig. Das Alte-Musik-Ensemble Concerto Köln gibt der Minimal Music mit ihren darmbesaiteten Streichern und klappenarmen Blasinstrumenten tatsächlich eine neue Klangdimension. Weniger schmetternd und kompakt als mit modernen Instrumenten kommen die seltenen Akzente beim Hörer an. Ebenso versiert in historischer Aufführungspraxis ist gewohnt klangschöne Rias-Kammerchor, unterstützt von den Countertenören Andrew Watts und Rachid Benabdeslan sowie der Sopranistin Peggy Steiner.

Ursprünglich sollte die katalanische Theatertruppe "La Fura dels Baus" eine szenische Umsetzung beitragen. Nach Durchsicht der Partitur lehnten die Brachialtheatraliker jedoch dankend ab, und so fiel die Aufgabe der überforderten Choreografin Angela Guerreiro zu. Die Gruppe "dura lux" zeigte Dias von Schafen und Flammen, von Computericons und Strichmännchen, unter denen selbstverliebte Gogo-Boys und -Girls herumhopsten. Gesucht, gefunden, verloren, vergessen - es ist alles eins in diesem prätentiösen Gemisch abgegriffener Gesten.

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