Kultur : Musik in Berlin: Grimmig

Eckart Schwinger

Das in dieser Saison letzte, leider schlecht besuchte Konzert in der Reihe "Verklungene Feste - Konzerte von einst, neu entdeckt" brachte im Konzerthaus ein Programm mit Werken von Pfitzner, Hindemith und Schostakowitsch, das Hans Rosbaud 1947 mit den Münchner Philharmonikern bestritten hatte. Zwei Jahre nach dem Krieg war es sicherlich ein ungewöhnliches Programm, zumal es gleich zwei Komponisten präsentierte, die in der Nazizeit verfemt waren. Als Gastorchester trat das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg in Aktion, das Rosbaud bis zu seinem Tode 1962 geleitet hatte.

Hans Rosbaud war nicht nur ein überlegener Didaktiker am Dirigentenpult, sondern auch einer der sensibelsten und besten Anwälte der neuen Musik. Man gerät ins Staunen, wenn man die Liste der Komponisten studiert, deren Werke er aus der Taufe gehoben hat. Die Namen reichen von Bartók über Boulez, Karl Amadeus Hartmann, Penderecki und Schönberg bis zu Xenakis. Im Konzerthaus dirigierte nun für den erkrankten Marek Janowski David Porcelijn das Rosbaud-Programm. Der hierzulande noch ganz unbekannte Mann erwies sich als ein kompetenter Dirigent. 1992 hat er den Preis als bester Operndirigent bei der Münchner Biennale gewonnen.

Schon bei den drei Palestrina-Vorspielen von Hans Pfitzner konnte das SWR-Sinfonieorchester sein großes Klangpotential, seine ganze Klangfarbenfeinheit, seine moderne deklamatorische Schärfe ins Feld führen, auch wenn Pfitzners archaisierende Musik selbst immer mehr in eine merkwürdige Ferne zu entschwinden scheint. Das grimmige, technisch gepfefferte Cellokonzert (1940) von Paul Hindemith wirkte schon etwas beunruhigender. Das dramatisch-harsche Widerspiel zwischen Solisten und Orchester hat es in sich. Imponierend bestand der Cellovirtuose Clemens Hagen die Herausforderung, die an den Solisten pausenlos gestellt wird. Er kniete sich mit besessener spielerischer Bravour förmlich in das martialische Stück hinein.

Als Schlussstück gab es die 6. Sinfonie op. 54 von Dmitri Schostakowitsch. David Porcelijn akzentuierte dabei weniger die sarkastisch-hintersinnigen Momente des doppelgesichtigen Werkes als vielmehr direkt die schmerzhaften Fragen und pathetischen Ausbrüche im Largo oder die wilde Musizierlust des gallebitteren Presto. Auch wenn es nicht allerletzten, schallplattenreifen Schliff besaß, Wirkung zeigte dieser Schostakowitsch.

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