Kultur : Musik in Berlin II: Amüsant

Eckart Schwinger

Die einst in der Deutschen Oper bejubelte Susanna kehrte als Gräfin nach Berlin zurück. Und sie bewies nicht zuletzt mit der Cavatina und Arie der Gräfin aus "Figaros Hochzeit" und der zugegebenen "Felsenarie" aus "Cosi fan tutte", dass sie noch immer über einen außergewöhnlichen und vor allem überlegen geführten Sopran verfügt. Sicherlich, so ganz quellfrisch wie vor Jahren sprudelt die Stimme der amerikanischen Sopranistin nicht mehr. Aber auch die dunkleren Farben klingen apart. Und dennoch bietet Barbara Hendricks nicht unbedingt ein tief ergreifendes Seelenbild der um ihre Liebe ringenden Gräfin. Vom Schicksal der tief verletzten Frau erfährt man wenig. Da fehlen Tiefenschärfe, wirklich ergreifende Expressivität. Die Susanna war wohl ihre ureigene Rolle. Gleichwohl erfreute sie das Publikum mit ihrer reizvoll-natürlichen Art, mit ihrer kantablen Eleganz und blitzblanken Technik auch bei Rezitativ und Arie "Misera, dove son?" KV 369 und bei der Arie aus der Kantate "Amor timodo" des eloquenten und einfallsreichen Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Kraus (1756 - 1792). Am Ende hinterließ das allein gesungene Spiritual den stärksten Eindruck. Die Überraschung war an diesem gelungenen Kölner Abend im Konzerthaus die mobilisierende und amüsant instrumentierte Musik von Kraus, der Hofkapellmeister in Stockholm war. Die Kölner boten diesmal auf Grund der insgesamt spannungsvolleren Differenzierung noch schönere Interpretationen als bei den früheren Begegnungen.

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