Kultur : Musik in Berlin: Kennen wir uns?

Isabel Herzfeld

Für Arnold Schönberg kam Kunst nicht von Können, sondern von Müssen. Bei Artur Schnabel wohl eher von Wollen. Zwei Jahre lang hatte sich der große Pianist vom Konzertleben zurückgezogen, um ganz seiner Berufung als Komponist zu leben. Ergebnis waren Werke von sehr unterschiedlichem Niveau, wie zur Zeit in der Schnabel-Reihe der Akademie der Künste zu erfahren ist. Das junge Minguet-Quartetts präsentierte nun das Streichquartett Nr. 2, 1921 die erste, schmerzensreiche Frucht der selbst gewählten Klausur. Nach einem fesselnden Beginn dunkler Farben und spannungsvoll exponierter Motive erscheint die Ideenfülle schier erdrückend, ja ungeformt, bis die Musik dem Gleichmaß heftig insistierender Bewegung verfällt. Dabei wird der Klangraum zwischen den stets in ähnlichen Regionen agierenden Instrumenten kaum ausgelotet, ist von der angestrebten verfeinerten Polyphonie nicht viel zu hören. Glücklicher der Beginn des Abends: Eduard Erdmanns Streichquartett op. 17, 1937 als einziges Werk des Schnabel-Freundes in der Zeit der inneren Emigration entstanden.Ruppige Einwürfe von Cello und Bratsche in einem widerborstigen Scherzo lassen die Spieler kontrastreiche Klanqualitäten zeigen, Transparenz und Intensität. Sehr heterogen steht dazu das Streichquartett op. 106 von Robert Fuchs, ein Komponist, mit dem das Ensemble derzeit CD-Lorbeeren einheimst. Die akademischen Verdienste des Lehrers von Gustav Mahler und Franz Schreker finden sich durchaus in dieser Partitur, ein eigener Ton weniger: Musik, die sehr viel kann und nichts will.

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