Kultur : Musik in Berlin: Kichern

Ulf Lippitz

Links steht ein Keyboard, rechts wartet eine Gitarre. Zwischen diesen beiden Show-Elementen spielt sich Maximilian Heckers Gig im Columbia Fritz ab. Der angestrengt ins Leere schauende Barde ist Berlins Antwort auf Thom Yorke. Minus Komplexität der Songs. Hecker zupft Saiten, konstruiert musikalische Elegien, moduliert Kehlkopf-Pathos. Endlos-Moll. Langsam. Erbauend. Einige Mädchen kichern. Wollen die Schmalkost verdrängen. Denken an Ironie. Der Meister selbst gießt Öl ins Feuer. "Das Licht kann man nicht ausmachen, oder?", fragt er. Unsicheres Lachen. Ein Scherz? Hecker setzt sich an die Tasten, verzieht keine Miene. "Danke für die Lacher." Promptes Gelächter. Pause. Hecker schliesst die Augen, beugt seinen Kopf herunter, als würde er sprichwörtlich ins Instrument beißen. Dann stoppt er, gibt sich der fließenden Melodie hin, bewegt seine Lippen und leidet. Er seufzt und heult. Endlos. Langsam. Erbauend. Plötzlich fühlt man sich sehr mittendrin: in einem privaten Diskurs, einer Klage-Orgie zwischen Mimosen-Pop und Kerzen-Ballade.

Der Ort fühlt sich falsch an. Viel zu groß die Halle, viel zu laut die Bar. Es ist als äße man ein Butter-Toast im Speisesaal des Adlon. Dann kündigt der schlaksige Songwriter das zerbrechliche "Cold and Blowing" so an: "Ich geh in den Supermarkt und auf einmal ..." Nichts weiter. Manche schütteln den Kopf. Aber das Lied ist schön, der Wille zur Versöhnung vorhanden. Einige trällern mit. Hecker sieht sich missverstanden: "Unabhängig davon wer mitsingt - es ist wirklich schwierig für mich." Das glaubt man gerne - und lässt den charmantesten Sänger der Stadt bis zum Ende durchleiden. Oh, Hecker Boy.

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