Kultur : Musik in Berlin: Stimmig

Sybill Mahlke

Die Trompete, sie schmettert Tä-rä-tä-tä-tä-rä. Signale im Militärwesen und bei repräsentativen Anlässen sind ihr Metier, ebenso Gloria in excelsis Deo, bevor sie als Ventiltrompete das Symphonieorchester erobert. Sie gehört zu den "kriegerischen" Instrumenten, die auf Wunsch des Königs die "Music for the Royal Fireworks" von Georg Friedrich Händel dominieren, um eine Frage des Standpunkts - den Frieden von Aachen zu illuminieren. Schon die Generalprobe darf mit einem Zulauf von zirka 12 000 Menschen als eines der frühesten Massenmusik-Events gelten, während die eigentliche Aufführung den Makel des misslungenen Feuerwerks trägt. Die gesellschaftliche Aktivität des deutschen Komponisten in England verbindet sich so mit dem Ausbruch einer Flammenmacht beim Erklingen des abschließenden Menuetts. Niemals erloschen ist der Ruhm der Musik.

Der Dirigent Friedemann Layer, der die Feuerwerks-Suite mit dem pompös ausgestatteten Berliner Sinfonie-Orchester auf ein Abonnementprogramm gesetzt hat, ist das Gegenteil eines musikalischen Feuerkopfes. Unter seinen Händen entsteht eine eher intime Wiedergabe, weil Layer das Werk ohne Taktstock dirigiert, mit seiner Sensibilität für natürliches Crescendo, das keiner dirigentischen Exaltationen bedarf. Man erfährt vielmehr, was Händel an Prunk auskomponiert hat - und an Charme.

Die Trompete, sie schmettert ... Nein, sie singt, wenn ein Musiker wie Gábor Tarkövi das Es-Dur-Konzert aus Joseph Haydns späten Wiener Jahren spielt. Bezeichnend für die Musizierhaltung des Interpreten, der technisch jede Hürde nimmt, ist die zutiefst unprätentiöse Zugabe: ein Aphorismus aus der ungarischen Heimat. Ein kleiner Dank an das enthusiasmierte Publikum: Die Gelegenheit, den Paganini der Trompete zu mimen, ergreift er nicht, dieser wahre Virtuose. Das Schönste an Gábor Tarkövis Spiel ist das Legato, in das die gestoßenen Noten quasi eingebunden werden, Fiorituren fließen mit der unendlichen Melodie. Ein frühromantisches Waldstück ist bei Haydn zu entdecken, und dass die Chromatik sich einer zeitgenössischen Entwicklung des Instruments verdankt, wird irrelevant bei solcher herausragenden, zugleich sich unterordnenden Kantabilität.

Der Große Saal des Schauspielhauses ist ausverkauft, was beim Berliner Sinfonie-Orchester fast die Regel bedeutet. Dabei steht das Hauptwerk, César Francks d-Moll-Symphonie, nicht im Verdacht, als Magnet zu wirken. Von den weiblichen Hysterien in Aribert Reimanns "Bernarda Albas Haus", die er an der Komischen Oper so weise zu kontrollieren versteht, kann Layer sich nun in einem Stück von typischer Zurückhaltung erholen. Man vergleiche das Englischhorn mit dessen Bedeutung etwa in Wagners oder Dvoráks Musik: Schlichter als bei dem Franzosen geht es nicht!

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