Kultur : MUSIK IN BERLIN

MARTIN WILKENING

Erzähler auf ihrem Instrument sind sie alle drei: der Bratschist Juri Bashmet, der Klarinettist Michel Portal und ihr Klavierpartner Mikhail Muntjan, die im kleinen Saal des Schauspielhauses ein zwischen zwei Triostücken, Schumanns "Märchenerzählungen" und György Kurtags "Hommage à R.Sch." sich beziehungsreich entfaltendes Programm gestalteten.Schostakowitschs Bratschensonate, Bergs Klarinettenstücke sowie die "Märchenbilder" und "Fantasiestücke" von Schumann dazu - das war alles andere als eine nur der Besetzung geschuldete, zusammengewürfelte Programmfolge, sondern ein poetisches Konzept.Das Erzählerische, daß diesen Abend bestimmte, zeigte sich vor allem in der Neigung aller drei Musiker, aus dem piano-Bereich heraus eindringlich zu sprechen.Wunderbar Michel Portals ganz zurückgenommene Interpretation der "Fantasiestücke", die allen salonhaften Glanz zugunsten nachdenklicher Reflexion vermied.Und Juri Bashmet, dem in den kleinen "Märchenbildern" der Schlußsatz ("langsam, mit melancholischem Ausdruck") am besten gelang, schlug von dort einen Bogen zu der großen Trauer, die in Schostakowitschs Bratschensonate alles in sich verschlingt, in einem endlosen Abgesang voll Eigen- und Fremdzitaten; von Bashmet und Mikhail Muntjan, der auch schon 1975 die Moskauer Uraufführung des Werkes gespielt hatte, ebenso konzentriert wie ergreifend zum musikalischen Höhepunkt des Abends gemacht.

Zitierend bezieht sich Kurtag in seiner Schumann-Hommage auf dessen "Märchenerzählungen", die die drei Musiker zuvor in außergewöhnlich delikater Phrasierung und Klanggestaltung vorgetragen hatten, so daß der Bezug beim Hören besonders nachvollziehbar wurde.

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