Kultur : MUSIK IN BRIEFEN

Christine Lemke-Matwey

Gustav Mahler: „Mein lieber Trotzkopf, meine süße Mohnblume“. Briefe an Anna von Mildenburg, hg. v. Franz Willnauer.

Zsolnay Verlag, Wien. 512 Seiten, 45 €

Sie ist das süße „Annerl“, das „Herz“, das „Lieb“ – und er bleibt für zwölf Jahre stets der „Gustav“ oder später dann, als die Leidenschaft erloschen und man zum Sie zurückgekehrt ist, „Ihr alter Mahler“. Über 200 Briefe schreibt der Komponist und Dirigent Gustav Mahler von 1895 bis 1907 an die Sopranistin Anna von Mildenburg, die 23-jährig am Hamburger Stadt-Theater als Brünnhilde (!) in Wagners „Walküre“ debütierte und daraufhin eine glänzende, hochdramatische Laufbahn einschlug. Mahlers Korrespondenz aber gibt weniger Aufschluss über ein typisches Sängerinnenleben jener Zeit (Mildenburgs Repliken hat er später aus Angst vor Alma vernichtet), als dass sie seismografisch den eigenen Gefühls- und Hormonhaushalt dokumentiert. Von Sehnsuchtsschmacht über Eifersuchtsattacken bis hin zu hitzigen Liebesschwüren – in dieser Affäre ist alles drin. Oder wie sagt es Herausgeber Franz Willnauer in seinem profunden Nachwort (und das bezieht sich nicht nur auf die schöne Anna von Mildenburg): „Eigentlich stand sein Herz ständig in Flammen.“

* * *

Robert Schumann: Schlage nur eine Weltsaite an. Briefe 1828–1855. Insel Verlag, Frankfurt/Leipzig. 422 Seiten, 26,80 €.

Lange konnte Robert Schumann sich nicht entscheiden: Musiker oder Dichter? Die von Karin Sousa besorgte Auswahl seiner Briefe (an Freunde, Verleger, an seine Ehefrau, die Pianistin Clara Schumann) bestätigt diesen Konflikt. Die Polyfonie des Schumann’schen Schreibens, die Schärfe dieses poetischen Geistes – dies alles gehorcht seinem Credo: „Ton ist überhaupt componirtes Wort.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar