Musik und Mafia : Blut, Ehre, Ärger

"Böse Musik" heißt das Festival im Berliner Haus der Kulturen der Welt, das am Donnerstag eröffnet wurde. Nun gibt es böses Blut: Der Verein "Mafia? Nein Danke!" protestiert gegen den Auftritt des Musikproduzenten Francesco Sbano am Sonntag. Er wirft ihm Verharmlosung und Propaganda für die Mafia vor.

Tatjana Kerschbaumer
Das Logo des Festivals im Berliner Haus der Kulturen der Welt.
Das Logo des Festivals im Berliner Haus der Kulturen der Welt.Foto: hkw

„Es gibt kein Mitleid, keine Milde für jemanden, der sich mit der Gesellschaft anlegt“: Klingt nicht nett, beim ersten Hören aber auch nicht dramatisch. Die Passage stammt aus „Nun c’è pirdunu“, einem kalabresischen Mafialied – und mit der Gesellschaft ist die „ehrenwerte“ gemeint. Während solche Folklore in Italien Angst verbreitet, feiert sie in Deutschland Erfolge. Populär gemacht hat sie der 50-jährige Musikproduzent Francesco Sbano, gebürtiger Kalabrese, der in Hamburg lebt und über 150 000 CDs mit Titeln wie „Verschwiegenheit, Ehre und Blut“ verkaufte. Am Sonntag tritt er beim Berliner Festival „Böse Musik“ im Haus der Kulturen der Welt auf. Kritiker werfen ihm schleichende Propaganda für die Mafia vor.

Aber Kritik verträgt Sbano schlecht. 2012 soll er mehrere Museumsangestellte in Kalabrien bedroht haben, die „Nun c'è pirdunu“ zur Anti-Mafia-Aufklärung gespielt hatten – ohne ihn vorher um Erlaubnis zu fragen. Laut Polizeiprotokoll drohte Sbano den Beteiligten, „sie fertigzumachen: Habt ihr eine Ahnung, wer ich bin? Du weißt nicht, was dich erwartet!“ Eine Journalistin, die nicht vor Ort war, aber seit Jahren kritisch über ihn berichtet, beschimpfte er so derb, dass sie Anzeige erstattete. Auch das Museum schaltete die Polizei ein. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Reggio laufen noch.

Sbano behauptete, alle Berichte über seinen Ausraster seien „gelogen“. Detlef Diederichsen, einer der Kuratoren von „Böser Musik“, wusste im Vorfeld zwar, dass Sbano umstritten ist: „Dass ermittelt wird, wussten wir nicht.“ Andererseits biete man Sbano bei „Böser Musik“ kein unreflektiertes Forum: „Unser Ziel ist es, diese Musik zu dokumentieren und darüber zu debattieren. Ich sehe darin nichts Verherrlichendes oder Glorifizierendes.“

Der Verein "Mafia? Nein Danke!", der 2007 nach den Mafiamorden in Duisburg gegründet wurde, schickte am Freitag eine Protestnote an das Haus der Kulturen. Sbano verharmlose und glorifiziere die kriminelle Existenz der Mafiaorganisationen, heißt es darin. Seiner Kritiklosigkeit werde eine Plattform geboten, das Haus der Kulturen mache sich „gemein mit der von ihm betriebenen Relativierung der Mafia-Aktivitäten, die längst nicht nur den italienischen Staat in seiner Existenz gefährden, sondern auch Staaten und Volkswirtschaften auf der ganzen Welt“.

Francesco Sbanos Auftritt ist für Sonntag um 16.15 Uhr im Haus der Kulturen der Welt geplant.

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