Musik und Politik : Ehrung für Barenboim

Was haben Daniel Barenboim und Theodor Wanner gemeinsam? Bei der Verleihung des brandneuen, mit zweckgebundenen 5000 Euro dotierten TheodorWanner-Preises an den Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin und Gründer des West-Eastern-Divan Orchestra wird auch diese Frage beantwortet.

Carsten Niemann
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Daniel

Wanner, so heißt es am Freitagabend im Allianz Stiftungsforum am Pariser Platz, war ein umtriebiger Pionier der Völkerverständigung, dem mitten im Kriegsjahr 1917 das Kunststück gelang, eine staatlich geförderte Institution für interkulturellen Dialog zu gründen: das Deutsche-Auslands-Institut, das noch heute unter dem Namen „Institut für Auslandsbeziehungen“ existiert, mit Sitz in Stuttgart.

Seit 2006 wird das Institut durch einen Verein unterstützt, der zur Förderung „zivilgesellschaftlichen Engagements im Dialog der Kulturen“ auch den Preis ins Leben gerufen hat – vergeben wird er unter der Schirmherrschaft von Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Während der Fördervereinsvorsitzende Adam-Claus Eckert am Vorabend der Eröffnung von Barenboims Staatsopern-Festtagen seiner Freude über die erstklassige Besetzung des Preisträgers in Wort und Mimik Ausdruck verleiht, legt Laudator Joschka Fischer seine Stirn in staatsmännische Falten, um ein düsteres Bild der „nahöstlichen Tragödie“ zu zeichnen. Barenboim, dem Steinmeiers Vorgänger im Auswärtigen Amt „großes politisches Verständnis“ und „musikalisches Genie“ attestiert, leuchte mit der „realen Utopie“ seines West-Eastern Diwan Orchestra wie ein „einsames Licht in einer langen dunklen Nacht“.

Barenboim dankt dem Freund und widerspricht dem Realo als Fundi, wenn er die Forderung nach einem „Kompromiss“ im Nahostkonflikt als Ausrede ablehnt: „Es geht nicht um einen Kompromiss, sondern um eine Rettung beider Völker. Sie können nicht getrennt und auch nicht mit dem Rücken zu einander leben.“ Mit Musik könne man nichts machen, sagt der 66-jährige Musiker mit dem israelischen und dem palästinensischen Pass, „außer sie zu beobachten und zu lernen, warum etwas funktioniert“. Und fügt hinzu: „In der Musik ertragen wir sogar subversive Begleitungen.“ Carsten Niemann

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