Kultur : Musik und Tanz in Berlin: Macht nichts

Sandra Luzina

Eine Suchbewegung - so lassen sich die Arbeiten von Toula Limnaios umschreiben. Die griechische Choreographin tastet sich vor in imaginäre Räume. Das Ich verliert sich in Schwindel, Wahn, Traum. Mit ihrer neunten Produktion, die jetzt im Theater am Halleschen Ufer ihre Berliner Premiere erlebte, ist sie bei "Nichts" angelangt. Das Stück wurde von Becketts "Texte um Nichts" angeregt. Auflösung und Ausweglosigkeit, eine vollständige Hoffnungslosigkeit durchziehen die Beckett-Texte. Auch Toula Limnaios will die Problematik der menschichen Existenz vor Augen führen.

Ein Luftballon statt eines Kopfes ist zu sehen. Immer wieder treten die Tänzer mit Augenbinde auf. Die Möglichkeit des Selbstausdrucks sind begrenzt. Zu Beginn ist die Gruppe noch geeint im Rhythmus des Atmens, doch bald beginnt das Gerenne, einer überholt den anderen. Die Auflösung hebt an, die Trennkräfte überwiegen. Nicht einmal auf die einfachen körperlichen Funktionen ist Verlass. Die Video des Künstlerkollektivs cyan, schon eine Konstante bei Toula Limnaisos, dominieren diesmal den Tanz - Bilder aus der Produktionssphäre, industrielle Massenfertigung und Automatisierung. Der Tanz wirkt da allenfalls illustrativ, wenn die Fragmentierung der Bewegung ausstellt wird. Die Fesseln des Ich mag Toula Limnaios im Sinn gehabt haben, doch die choreographische Formulierung wirkt oft vage und beliebig. Ralph Ollertz überzieht den Tanz wieder mit üppigem elektronischen Sound, der dem Geschehen fast etwas Entrücktes leiht. Auch in den zarten Lichtstimmungen drückt sich der Wille zum Träumerisch-Poetischen aus. "Nichts" redet keineswegs einer radikalen Negation das Wort, gemessen an Becketts Ausweglosigkeit wirkt das Stück harmlos, streckenweise geradezu versöhnlich.

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