Kultur : Musik und Theater in Berlin: Selten so gegähnt

Anna Kemper

Die Berliner Shakespeare Company hat ehrgeizige Ziele. Ein privat finanziertes Globe Theater nach Londoner Vorbild soll gebaut werden. Aber erst einmal wird Theater gespielt - auf der Museumsinsel: . "Shakespeare Love Songs" (Regie: Tim Licata) heißt das Stück, das der Schweizer Autor Tim Krohn dem jungen Ensemble auf den Leib geschrieben hat. Dabei greift Krohn auf Tom Stoppards Drehbuch zum Kinohit "Shakespeare in Love" zurück und spinnt dessen Geschichte um die unglückliche Liebe zwischen Will Shakespeare und Viola de Lesseps weiter. "Ist das die Viola?", wispert es im Publikum, "Und die kriegt ihn doch am Ende nicht, oder?" Die Sehnsucht nach einem Happy-End ist da, und sie will befriedigt werden.

Man nehme also eine unerfüllte Liebe, Frauen, die Männer spielen, die Frauen spielen, zahlreiche Verwechslungen, einen Dramatiker, der ein Theater sucht, und biete das Ganze in einer Sommernacht dar - fertig ist der Shakespeare. Leider bleibt bei Krohns Rezept das auf der Strecke, was die einzelnen Elemente zusammenhalten soll: die Rahmenhandlung. Sicher, einige Szenen haben Witz und Charme, so der Beginn des Spiels im Spiel, wenn Dienstmagd Clara (Ilka Teichmüller) temporeich gleich zwei Rollen übernimmt und durch Wiedergabe einzelner Satzfetzen die bisherige Handlung in wenigen Minuten persifliert.

Die einzelnen Versatzstücke bieten Platz für die komödiantischen Fähigkeiten des Ensembles und sind durchaus amüsant, aber was das nun eigentlich soll, bleibt unklar. Es fehlt die originelle Idee, alles war schon mal da und besser: An Stoppards gekonntes Spiel in "Rosenkranz und Güldenstern" etwa kommt Krohn nicht heran, und den Witz einer rasanten Collage hat "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" bereits vorweggenommen. Ja, am Ende kriegt sie ihn und er kriegt sein Theater. "Shakespeare ist da, er ist in der Schüssel!" ruft Clara aufgeregt am Anfang. Irgendwie ist er aus der Schüssel nicht herausgekommen, der Dichter.

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