Kultur : Musiker auf eigene Rechnung

Jörg Königsdorf

über vier Jungunternehmer Seltsam eigentlich: Während die Berliner Manager nicht müde werden, das Fehlen einer direkten Flugverbindung nach New York als gravierenden Standort-Nachteil anzuprangern, scheint diese hauptstädtische Weltabgeschiedenheit Musikern kaum etwas auszumachen – obwohl die meisten von ihnen genauso oft um den Erdball jetten wie ihre Kollegen aus den Chefetagen. Eine ganze Menge renommierter Klassik-Künstler hat sich seit der Wende im wiedervereinten Hochkultur-Biotop angesiedelt. Nur leider sind die meisten von ihnen kaum jemals in der Stadt zu hören, weil die Konzertveranstalter sich immer weniger trauen, mit Kammermusik, Lieder- oder Klavierabenden gegen die Übermacht des Opern- und Sinfonie-Angebots anzutreten. Das Artemis-Quartett, eines der führenden jungen deutschen Streichquartette, hat sich entschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Obwohl das Ensemble sich in den letzten Jahren eine feste Position auf den internationalen Konzertpodien erobert hat, war es an seinem Berliner Wohnort bislang nur sporadisch zu hören. Das wird sich jetzt ändern: Am Dienstag startet das Streichquartett im Kammermusiksaal einen eigenen kleinen Zyklus, zu Beginn noch von der Konzertdirektion Adler ausgerichtet, dann auf eigene Rechnung. Drei Konzerte pro Saison sind geplant, von einem thematischen Leitgedanken getragen – diesmal der Gegenüberstellung von Beethovens Streichquartetten mit zeitgenössischen Werken. An diesem Unternehmergeist können sich auch die Manager der Stadt ein Beispiel nehmen.

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