Musikfest Berlin '09 : Höllenvisionen

Am 3. September startet das Musikfest Berlin '09. Es geht um das 20. Jahrhundert, ein „Zeitalter der Extreme“, beginnend mit der russischen Revolution von 1917 bis hin zum Fall der Berliner Mauer.

Die große Stärke von Winrich Hopp, dem künstlerischen Leiter des Berliner Musikfests ist es, komplexe Sachverhalte durch kleine Anekdoten zu verdeutlichen. Zum Beispiel die Sache mit dem Morsezeichen für den Buchstaben „V“: Kurz – kurz – kurz – lang. So geht auch das Schicksalsmotiv aus Beethovens Fünfter. „V“ steht für „Victory“, aber auch für die römische Fünf. Als die BBC 1938 das doppeldeutige Signal zum Erkennungszeichen für ihren deutschen Dienst machte, wussten alle, die im Nazireich unter Todesgefahr vor dem Volksempfänger „britisch inhalierten“, was die Stunde geschlagen hatte.

Beim „Musikfest 09 geht es um das 20. Jahrhundert, das Eric Hobsbawm ein „Zeitalter der Extreme“ nennt, beginnend mit der russischen Revolution von 1917 über den Weltkrieg, das ideologische und militärische Wettrüsten, bis hin zum Zusammenbruch des Sowjetreichs und dem Fall der Berliner Mauer. Dmitri Schostakowitsch, dessen janusköpfige Sinfonien bei ihren Uraufführungen nicht allein Konzertsaal-Events, sondern stets auch Radio-Ereignisse waren, stellt Hopp in den Mittelpunkt des am 3. September startenden Festivals, kontrapunktiert durch die singuläre Gestalt von Iannis Xenakis, dem Freiheitskämpfer, Kosmopolit und Genreüberschreiter (sein Geld verdiente der Komponist lange als Architekt im Büro von Le Corbusier).

Neben den Berliner Orchestern musizieren bis zum 21. September Spitzenformationen aus Chicago, London, Amsterdam, Wien, Birmingham oder Bamberg. Mit Andris Nelsons, Susanna Mälkki und Gustavo Dudamel sowie Bernard Haitink, Kurt Masur oder Valery Gergiev reisen junge wie etablierte Dirigentenstars an. Was Hopps Programm unverwechselbar macht, sind die vielen gedanklichen Querverbindungen innerhalb des JahrhundertThemas: Da gibt es die „Hades“-Konzerte mit Höllenvisionen von Janacek bis Nono und die Heimatabende mit Hymnen von Haydn und Stockhausen, die sich wiederum in einem von Ingo Metzmacher dirigierten DSO-Auftritt mit Regers „Toteninsel“ und Eislers „Deutscher Sinfonie“ kreuzen. 19 Tage zum Hinhören und Weiterdenken. (F. H.)

- Infos: www.berlinerfestspiele.de

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