Musikfest Berlin : Wer wagt, gewinnt

Das Musikfest Berlin hat sein Programm vorgestellt. Im September geht's auf große Amerika-Reise, mit John Adams, Frank Zappa oder Edgar Varèse.

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Dr. Winrich Hopp Foto: Lucie Jansch / Berliner Festspiele
Dr. Winrich HoppFoto: Lucie Jansch / Berliner Festspiele

Auch 2016 bleibt Winrich Hopp, der künstlerische Leiter des Musikfest Berlin, seiner Maxime treu, Mutmacher sein zu wollen. Er hat die vom 2. bis 20. September beim Festwochen-Nachfolger in der Philharmonie sowie im Haus der Berliner Festspiele auftretenden Orchester im Vorfeld ermuntert, für ihr Programm stets die außergewöhnlichste, ja gewagteste Lösung zu wählen. So haben die Berliner Philharmoniker den Komponisten John Adams eingeladen, einen Abend nur mit seinen eigenen Werken zu gestalten. Außerdem erarbeitet Andris Nelsons mit dem Orchester ein rein französisches Programm, zu dem als Rarität Edgar Varèses „Arcana“ gehört. Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker bringen die 3. Sinfonie der Russin Galina Ustwolskaja mit nach Berlin sowie Schostakowitschs hartleibige Vierte. Das Rundfunk-Sinfonieorchester begleitet die rekonstruierte Fassung von Sergej Eisensteins Film-Zweiteiler „Iwan, der Schreckliche“.

Das Festivalprogramm lässt sich auch als Klangreise durch Nord- und Südamerika lesen, beginnend bei John Adams in San Francisco. Los Angeles ist vertreten durch Frank Zappa, den das Ensemble Musikfabrik feiert, sowie durch klassische Hollywood-Soundtracks, die vom John Wilson Orchestra aus London in höchster Perfektion dargeboten werden.

Über New Mexiko, wo Varèses „Desert“ entstanden ist (gespielt von der Jungen Deutschen Philharmonie), geht es nach Mexiko: Nach einem dort verfassten Text von Antonin Artaud über den Kult der Schwarzen Sonne komponierte Wolfgang Rihm sein Tanzpoem „Tutuguri“. Bei der Premiere 1982 galt das Auftragswerk der Deutschen Oper Berlin als Skandal. Jetzt wird das urgewaltige Zwei-Stunden-Opus, das Rihm als „Angriff auf die Membranen, auch auf das Trommelfell“ bezeichnet, zur Festivaleröffnung erklingen, gespielt vom BR-Symphonieorchester unter Leitung von Daniel Harding.

Auf Texte aus dem „Popol Vuh“-Buch der Maya schrieb Varèse sein „Ecuatorial“ – was zur gerade eröffneten Maya-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau passt. Die Tempelanlagen der Azteken unter anderem inspirierten wiederum Olivier Messiaen 1948 zu seiner „Turangalila“. Gustavo Dudamel und das Bolivar-Orchester aus Venezuela interpretieren die schillernde Sinfonie zusammen mit Heitor Villa-Lobos Bachianas Brasileiras. An den 19 Festivaltagen bieten insgesamt zwanzig Ensembles Stücke von 35 verschiedenen Komponisten an, der Vorverkauf beginnt ab sofort (weitere Informationen unter: www.berliner-festspiele.de)

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