Musikfest Berlin : Zarte Brillanz

Das Amsterdamer Concertgebouworkest beweist beim Musikfest einmal mehr seinen Weltrang. Mariss Jansons dirigiert seine letzte Tournee mit dem Orchester, als Solist beeindruckt Leonidas Kavakos.

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Mariss Jansons und Leonidas Kavakos
Mariss Jansons und Leonidas KavakosFoto: Kai Bienert

Das Musikfest ist allein deshalb ein Ereignis, weil Mariss Jansons dort regelmäßig einen seiner rarer werdenden Auftritte bestreitet. Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks oder dem Royal Concertgebouw Orchestra, den beiden Klangkörpern, die er als hingebungsvoller Chef an die Weltspitze geführt hat. Diesmal ist er mit seinen Amsterdamer Musikern zu Gast in der Philharmonie, Wehmut schwingt mit: Jansons wird sein Amt Ende der Saison aufgeben. Der rastlose Arbeitsethiker muss kürzertreten. Was ihm nicht leichtfällt.

Wer wollte auch die höhere Leichtigkeit missen, mit der das Concertgebouw Orchestra sich in Brahms’ Haydn-Variationen schwingt, die zarte Brillanz, in der hier die Selbstversicherung des Komponisten strahlt, künftig Großes erschaffen zu können. Aller Zweifel fällt ab, alle Freude hat ihren Anfang gefunden, ein Liebesspiel zu Beginn. Darauf folgt mit Rihms „Lichtes Spiel“ eine Schwebephase, die beinahe von Mahler hätte stammen können, wenn der auf seinen Bergwanderungen nicht immer nur Grahambrot und Äpfel gegessen hätte. Wolkengesichter schaukeln am Himmel vorbei. Leonidas Kavakos sieht gar keinen Anlass, sich als Solist in den Vordergrund zu spielen. Sein feinherber Geigenton sinkt in den Orchesterklang und macht die Rihm-Trance perfekt.

Die Dirigenten beim Musikfest 2014
Gustavo Dudamel.Weitere Bilder anzeigen
1 von 18Foto: © Chris Christodoulou
01.09.2014 13:44Gustavo Dudamel.

Nach der Pause zwei Tondichtungen von Jubilar Richard Strauss, dem hier ein Herzenswunsch erfüllt wird: Transparenz im Orchesterklang. Herrlich die Kraftentfaltung ohne jedes Verklumpen, beherzt, wie Jansons das Artifizielle der Strauss-Welt ausleuchtet. Im Todeskampf meint man gar Schostakowitsch zu hören. Karajan, von dem Jansons viel in Salzburg lernte, ließ auf „Tod und Verklärung“ die „Metamorphosen“ folgen. Dieses Pathos ist Jansons fremd, und er schließt mit „Eulenspiegels lustigen Streichen“, einem berückend musizierten Sieg über die Scheinheiligen.

Während Jansons und seine Musiker noch gefeiert werden, machen erschütternde Nachrichten aus Amsterdam die Runde: Das Concertgebouw Orchestra hat Verluste erwirtschaftet und muss 2016 den Spielbetrieb einstellen, sollten sich nicht andere Finanzquellen öffnen. Dem zum 125. Geburtstag spendierten Zusatz „Royal“ muss nun königliche Unterstützung folgen. Dieses Orchester ist klingendes Weltkulturerbe.

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