Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern : Ein Kulturunternehmen der Superlative

Große Namen in familiärer Atmosphäre: Die Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin laden zu Konzerten in charmanten Spielstätten ein.

Regine Müller
Malerische Landschaften und überwältigende Konzerte: Die Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern.
Malerische Landschaften und überwältigende Konzerte: Die Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern.Foto: Felix Broede

Wenn man durch Mecklenburg-Vorpommern reist, denkt man häufig, dass hier die Zeit stehen geblieben ist. Das am dünnsten besiedelte Bundesland verdankt seine heutige touristische Attraktion dem Umstand, dass die Menschen hier verstreut in kleinen Dörfern lebten und keine industriellen Verheerungen die malerische Landschaft mit Ostseeküste, Seenplatte und ihren romantischen Alleen zerstörten. Aber „MeckPomm“ ist nicht nur attraktiv für Radwanderer mit „Effi Briest“ im Rucksack oder Wellness-Touristen im Reetdach-Hotel: Es lockt auch mit einem exquisiten Kulturangebot.

Das ist vor allem in der mit knapp 90 000 Einwohnern überschaubaren Hauptstadt Schwerin spürbar und wird dort gerade systematisch befördert. Denn Schwerin bewirbt sich mit seinem Residenzensemble als „Kulturlandschaft des romantischen Historismus“ um die Aufnahme in den Reigen der Stätten des Weltkulturerbes. Das vom Wasser umgebene Ensemble in durchgehend historistischer Architektur profitiert davon, dass Schwerin keine hektische Metropole, sondern eine mittlere Stadt mit einem reichen und durch kleine Wege erschließbaren Kulturangebot ist. Gegenüber vom Schloss steht das traditionsreiche Staatstheater, das gerade vor einem Intendantenwechsel steht. Direkt daneben befindet sich die Staatsgalerie mit einer hochkarätigen Sammlung Alter und Neuer Meister, die soeben angebaut hat: Anfang Juli wurde ein lichter, 1500 Quadratmeter großer Neubau eröffnet, in dem nun dauerhaft die Moderne – u. a. die europaweit größte Sammlung von Werken Marcel Duchamps – ihren Platz finden soll in wechselnden Präsentationen der eigenen Bestände. Eröffnet wurden die Räume mit einer Ausstellung von Werken des gebürtigen Mecklenburgers Günther Uecker. Er fertigte für diesen Anlass eine Serie neuer „Wustrower Tücher“ und hatte schon im Vorfeld den Neubau tatkräftig mit dem Verkauf einer Edition unterstützt. „Ick bün all dor“, sagte Uecker launig statt einer Rede zur Eröffnung.

Die Festspiele: Ein Kulturunternehmen der Superlative

Seit der Buga 2009 ist Schwerin auch Gartenbaustadt mit einer schwimmenden Wiese vor dem an das französische Chambord erinnernde Schloss. Und nicht zuletzt ist Schwerin auch Sitz und Zentrum der seit 26 Jahren stattfindenden Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Das Musikfestival ist mit über 150 Konzerten an nahezu 90 Spielstätten und einer Dauer von fast drei Monaten eigentlich ein Kulturunternehmen der Superlative. Es lebt aber von seiner besonderen Intimität und dem Charme der Spielstätten. In Schlössern, Scheunen, Kirchen und verlassenen Werkstätten finden noch bis Mitte September Konzerte und begleitende Veranstaltungen statt.

Die Reihe „Junge Elite“ ist dabei seit langer Zeit ein fester Bestandteil des Programms und bindet junge Talente dauerhaft an das Festival. Intendant Markus Fein verantwortet in diesem Jahr seine dritte Spielzeit in Mecklenburg-Vorpommern und versteht sich als Bewahrer dieser Tradition der ständig wachsenden Festspiel-Familie. Der Cellist Daniel Müller-Schott etwa gehört seit über zwanzig Jahren zu dieser Gemeinschaft, zu der viele berühmte Namen zählen wie etwa Julia Fischer, Daniel Hope, Gidon Kremer und Igor Levit. 2013 war der Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker Matthias Schorn Preisträger in Residence der Festspiele und ist in diesem Jahr auch wieder sehr präsent. Er schätzt das Familiäre und die Treue des Publikums: „Hier kennen mich mehr Leute als in meiner Heimatstadt Salzburg. Außerdem kann man hier mit dem Intendanten auch mal Fußball spielen, wo gibt es das sonst?“

Klassik und Weltmusik im Crossover

Höhepunkt des Wochenendes, das mit der Eröffnung des Museums-Neubaus begann, ist ein völlig verrücktes, wunderbares Crossover-Konzert im Staatstheater, in dem Matthias Schorn sich mit dem Wiener Musik-Performer Georg Breinschmid und Musikern aus der Mongolei, Russland und Brasilien halb improvisierend in einen Wiener Musiksalon träumt und aus mongolischen Steppengesängen, Bossa nova und alpenländischer Volksmusik eine hochprozentige Mischung anrührt, die mit herkömmlichem Crossover nichts zu tun hat. Wohl aber mit Weltmusik in einem höheren Sinne.

Der famose Matthias Schorn ist noch vier Mal bei den Festspielen zu erleben, unter anderem in der Klosterruine Dargun mit der NDR-Big-Band und einem Gershwin-Programm (15. Juli) und beim Sommerfest auf Schloss Ulrichshusen (21. Juli) mit Mitgliedern der Berliner und Wiener Philharmoniker. Weitere Höhepunkte versprechen die Schubertiade mit Christian Gerhaher (17. Juli), Auftritte der diesjährigen Residence-Künstlerin Vilde Frang und Gastspiele der Cellistin Sol Gabetta und der Pianistin Hélène Grimaud.

Noch bis zum 17. 9., weitere Infos unter www.festspiele-mv.de.

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