Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci : Mit John Cage im Zen-Garten

Die Musikfestspiele in Potsdam widmen sich in diesem Jahr dem Thema "Musik und Gärten" - und überraschen mit Zwitscherkaskaden und Gemüse-Orchester.

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Stühle im Garten. Foto: Udo Weber / © Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
Sitzen im Grünen bei den Musikfestspielen Potsdam-Sanssouci.Foto: Udo Weber / © Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Ganz schön vorwitzig dieser Distelfink! Wie er den Schnabel aufreißt und in wilde Zwitscherkaskaden ausbricht als wolle er sagen: „Ich bin zwar nur ein kleiner derber Bursche vom Land, aber an Kunstfertigkeit kann ich es mit jedem Kanarienvogel und selbst den Nachtigallen in den königlichen Gärten aufnehmen!“ In Wirklichkeit ist der so lebensecht singende und zwitschernde mutwillige Geselle allerdings selber ein Kunstprodukt - hervorgerufen durch die Phantasie Vivaldis und die Kunst der Blockflötistin Dorothee Oberlinger, die beim Eröffnungskonzert der Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci die vogelreichen Paradiesgärten des Schlossparks flugs bis ins Innere der Friedenskirche verlängert.

Sie ist nicht die Einzige, die an diesem Abend für musikalisch-ornithologische Höhepunkte sorgt: Unterstützt wird sie von ihrem Kollegen François Lazarevitch (mit dem sie sich ein hinreißendes Nachtigallenduell liefert), der Sopranistin Dorothee Mields (mit ihrer feinen aber äußerst nuancierungsfähigen Stimme eine Nachtigall eigenen Rechts) und dem Ensemble 1700 unter dem sonor, plastisch und virtuos aufspielenden Barockviolinisten Rüdiger Lotter.

Der technisch fulminante, unterhaltsame und entspannende Auftakt ist ein gutes Vorzeichen für die bis zum 28. Juni andauernden Musikfestspiele, die dieses Jahr unter dem Thema „Musik und Gärten“ stehen. Obwohl sich bei den vielfältigen musikalischen Natur- und Gartendarstellungen des Festivals die Verbindung zwischen Innen und Außen, Ort und Inhalt bereits von allein einstellt, haben sich die Programmmacher nicht auf diesen Effekt verlassen, sondern bauen auch Brücken von der historischen Garten- und Musiklandschaft zur Gegenwart.

Cage-Konzert mit Reflexionen zu japanischen Zen-Gärten

Schon die Gäste des Eröffnungskonzerts können sich in der Pause an Erwins Staches interaktiver Klangskulptur 87,3 Kilo Ohm ausprobieren. Eingestreute Recitals in Potsdamer Privatgärten, ein Cage-Konzert mit Reflexionen zu japanischen Zen-Gärten, eine szenisch-musikalische Kombination aus Bibers barocken Rosenkranzsonaten mit japanischem No-Theater sowie ein Familienkonzert mit dem Wiener Gemüse-Orchester betonen dabei die Universalität des Themas, ohne sie die Bedeutung der Festspiele als Alte-Musik-Festivals in Frage zu stellen.

Auch wenn Konzerte in intimem Rahmen beim Thema „Gärten“ noch stärker im Vordergrund stehen als sie es bei Alte-Musik-Darbietungen ohnehin tun, wird das Festival auch dieses Jahr nicht auf Barockopernentdeckungen verzichten. Neben Alessandro Scarlattis Minioper „Il Giardino d'Amore“, die bis zum 17. 6. zusammen mit Bachs Bauernkantate vom belgischen Barocksensemble B'Rock gegeben wird, erwarten Barock-Aficionados vor allem auch die Premiere von „La Púrpura de la Rosa“ am 19. Juni mit Spannung: Bei dem von Tomás de Torrejón y Velasco nach einem Libretto Caldérons komponierten Stück handelt es sich nämlich um das seltene und zugleich erste Beispiel einer lateinamerikanischen Barockoper. Inszeniert wird das Stück von Hinrich Horstkotte in der Orangerie - denn die war schon immer kostbaren exotischen Pflanzen vorbehalten.

Programm und Karteninfos: www.musikfestspiele-potsdam.de

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