Kultur : Musikindustrie: Zock-out

Gregor Dotzauer

Man kann sich in der Medienwelt auf nichts verlassen. Noch bis vor ein paar Tagen war für die hohen Herren der Musikindustrie Shawn Fanning, der Gründer der Internet-Tauschbörse Napster, the man you love to hate. Sein Unternehmen galt - bis zum Einstieg von Bertelsmann - als Profitbedrohung Nummer eins. Und nun? Für Ende des Jahres ist der erste Napster-Klon angekündigt, mit einem nettem Extra: Die künftigen User bleiben anonym. Mission erfolgreich beendet. Aber wer spricht noch von New Economy? Das Popbusiness wird in diesen Tagen vom guten alten Geld aufgemischt. Die gestrige "New York Times" berichtet von einem erfahrenen Zocker namens Robert F. X. Sillermann, der mit seiner Firma FXM zum Buyout der prominentesten Managements gerufen hat. Sillermans Geldgeber, Mark Cuban, prophezeit das Zerbrechen der großen Plattenfirmen in den nächsten fünf Jahren und hat seinen Mann zur Beschleunigung dieses Prozesses mit einer Kriegskasse von 50 Millionen Dollar ausgerüstet. Schon verhandelt Sillerman mit der "Firm", die Michael Jackson und die Backstreet Boys betreut, und er hat bei den Managern von Metallica, Lenny Kravitz und Aerosmith mit dem Scheckbuch gewunken. FXM ist auf Marktbeherrschung aus. Und weil die Agenturen in diesem schnelllebigen Geschäft um ihre Zukunft bangen, hat Sillerman sogar Chancen, eine Macht zu konzentrieren, mit der sich den Majors alles diktieren lässt. Skeptiker sagen, Sillerman werden am Ende vielleicht eine Horde von Geschäftsführern unter Vertrag haben, während die Musiker über alle Berge sind. Dagegen spricht die enge Bindung von Managern und Künstlern. Amerika: ein Wettbüro. Und nächste Woche läuft eine neue Sau durchs global village.

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