Kultur : Musikpreis: "Ella" - eine Stadt sucht ihren Jazz

Johannes Völz

Berlin ist Jazz-Metropole. Das zumindest hat die Jazzinitiative Berlin beschlossen und zu diesem Zweck den "Jazz & Blues Award Berlin" geschaffen. "Ella" heißt die Trophäe. Der Berliner Bildhauer Jochen Schamal hat sie entworfen.

"Ella", die Bronzestatue mit einem Stumpf als Kopf auf einem kugelrunden Frauenkörper, hat zwar mit ihrem Vorbild, der Sängerin Ella Fitzgerald, nur wenig gemein. Dennoch ist es ein gelungener Name, nennt sich "Ella" doch wie von selbst in einem Atemzug mit "Oscar" und "Grammy". Großes Showbiz ist auch vonnöten, denn schließlich geht es darum, "den Knall zur Explosion der Jazzszene nachzuliefern", wie Olaf Dähmlow, Vorsitzender der Jazzinitiative, sagt.

14 Bands werden heute und morgen in der Endausscheidung im BKA-Luftschloss um gleich zwei "Ellas" spielen: eine vergibt die Jury aus fünf Musikern, eine das Publikum. Ob die nominierten Musiker Berlin wirklich als Jazzhauptstadt repräsentieren, ist allerdings fraglich, denn nur wenige haben bis jetzt von sich reden gemacht. Viele sind Nischenbands, die zwar regelmäßig ihre Fans anziehen, über Berlin hinaus aber unbekannt sind. Von Weltoffenheit zeugt auch die musikalische Bandbreite nur bedingt. Zwar haben sich die Veranstalter bemüht, möglichst viele verschiedene Stile zu berücksichtigen: Swing-, Dixieland-, Blues- und zeitgenössische Jazzgruppen treten in einer einzigen Kategorie gegeneinander an. Die Folge ist, dass der Modern Jazz, der am ehesten Metropolencharakter für sich beanspruchen kann, unter den Nominierten eine Nebenrolle spielt.

In Musikerkreisen hat der Award deshalb für heftige Kontroversen gesorgt. Der Leiter eines bekannten Berliner Free Jazz-Trios, das keine Einladung erhalten hat, spricht gar von einem "Marketing-Trick" und befindet: "Das geht alles an der tatsächlichen Szene vorbei". Auch der Betreiber eines Berliner Jazzclubs zeigte sich über die Veranstaltung schon im Vorfeld enttäuscht: "Unter einem Jazz Award verstehe ich etwas ganz anderes. Es gibt so viele Bands, die einen Preis verdienen würden, die aber gar nicht teilnehmen. An sich ist der Award eine gute Idee, aber sie wurde falsch ausgeführt."

Die zweifelhafte Auswahl der Bands kommt zustande, weil die Veranstalter nicht nur die Musiker Berlins, sondern auch die Clubs vorstellen wollen. So durfte jeder Veranstalter, der Mitglied bei der Jazzinitiative ist, eine Band auswählen - ganz gleich, ob dort Amateure oder Profis auftreten. Olaf Dähmlow gibt offen zu, dass es beim "Jazz & Blues Award" nicht nur um die Musiker geht: "Wir wollen erreichen, dass die Clubs neues Publikum finden." Dennoch ist Dähmlow sicher, dass beide Abende aufregend werden. Immerhin gehe es darum, ob die Jury und das Publikum die gleichen Musiker küren werden.

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