Kultur : Mut zur Schönheit

Großer Architekt: Hans Kollhoff stellt sieben neue Bauten vor

Bernhard Schulz

Unter den Berliner Architekten ragt er als einer der eigenwilligsten heraus: Hans Kollhoff . Der Entwurf, den er jüngst für ein privates Kunsthaus gegenüber der Museumsinsel vorstellte – einen Tempel auf hohem Sockel –, ließ manche in Begeisterung ausbrechen, andere den Kopf schütteln. Beiläufig vermerkt werden seine Entwürfe nie.

Dieser Tage hätte eine lang erwartete, ausführliche Monografie über den Baumeister erscheinen sollen. Zerwürfnisse zwischen Autor und Architekt, so hört man, verhinderten das Zustandekommen. Das ist überaus schade. Denn während andere Architekten im Jahresrhythmus neue Bücher publizieren lassen, fehlt zu Kolhoff eine Darstellung, die seinem singulären Werk angemessen wäre. Diese Lücke kann (und will) auch das schmale Buch nicht füllen, das kürzlich bei Prestel erschienen ist und 13 in den vergangenen sieben Jahren vollendete Bauten vorstellt (Hans Kollhoff: Architektur. Mit einem Essay von Fritz Neumeyer. Prestel Verlag, München 2002. 112 S., 79 Abb., geb. 59 Euro). Es ist eine Zwischenbilanz, die weder Ursprung noch Entwicklung zeigt, auch nicht Versuche, die – wie besagter Kunsttempel – in womöglich nicht durchsetzbare, aber höchst diskutable Richtungen weisen. Was Kollhoff hat realisieren können, ist gleichwohl eindrucksvoll genug. Zur Ikone des „Neuen Berlin“ ist sein Hochhaus am Potsdamer Platz geworden, das sich in seiner eleganten Backsteinfassade auf Vorbilder der Dreißigerjahre beruft. Überhaupt macht Kollhoff Anleihen bei dieser Zeit. Sie sind nicht immer geglückt, wie etwa der „Weltsaal“ im Altbau des Auswärtigen Amtes zeigt, was allerdings auch mit der heutzutage oft mäßigen Ausführungsqualität zusammenhängt.

Qualität! Eine Forderung, an deren Uneinlösbarkeit der Architekt schon manches Mal verzweifelt sein dürfte. Wo sie gelingt, wie in der eines Adolf Loos würdigen „Newton Bar“ – die Nacktfotos des hoffnungslos überschätzten Namenspatrons einmal beiseite gelassen –, tritt Architektur von bleibendem Rang vor Augen. Während die kleineren Berliner Bauten mit ihren Steinfassaden leicht schematisch wirken, versteckt Kollhoff wahre Meisterwerke in der Provinz: die „Galerie am Roten Turm“ in Chemnitz und die Landeszentralbank im thüringischen Meiningen. Mit Hans Kollhoffs Werk wird die Frage nach der Ästhetik, ja der Schönheit der Gegenwartsarchitektur aufs Dringlichste gestellt.

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