"Mutter Mund Vater Land" in der Volksbühne : Elektronik trifft Schlagwerk

Burnt Friedman, Jaki Liebezeit und Theo Altenberg lassen in der Volksbühne unter dem Motto „Mutter Mund Vater Land“ Schlagwerk, Elekronik und Schwurbeltexte aufeinandertreffen.

Volker Lüke

Schlagzeugspielen, Mann! Du kannst jede Menge Geräusche machen, mit wenig Personal! Wer wüsste dies besser als Jaki Liebezeit, der sich mit der legendären Krautrock-Formation Can zum Zeremonienmeister endloser Chillout-Grooves getrommelt hat und jene repetitiven Formen vorwegnahm, die man heute vor allem im elektronischen Pop findet. Mit dem Kölner Elektrotüftler Burnt Friedman, der eigentlich Bernd Friedmann heißt, hat Liebezeit einen Bruder im Geiste gefunden, der Platten veröffentlicht, die zwischen schwirrender Dub-Elektronik, kosmischem Kraut-Funk-Jazz und globalen Tikki-Takka-Exotica umherdriften.

Für den Abend in der Volksbühne hat Friedman neben Liebezeit noch einen anderen Kollegen eingeladen, der auch schon einiges mitgemacht hat: Theo Altenberg, Jahrgang 1952, Künstler, Filmemacher, Schauspieler, Performer und Autor, der von 1973 bis 1990 Mitglied der umstrittenen Otto-Mühl-Kommune war. Mittlerweile sucht Altenberg die Ekstase im Technorausch. Mit Friedman hat er einige tolle Songs aufgenommen, die nun leider nicht aufgeführt werden. Stattdessen trägt Altenberg Texte vor, die nicht mal Blixa Bargeld verstehen würde. Wirre Traumbilder mit absurden Wortkonstellationen wie „Einsamkeitsprophylaxe gegen den Schmerz“. Dazu erzeugt Friedman am Elektronikpult ein sanftes Trance-Ambient-Geblubber.

"Mutter Mund Vater Land" macht das Publikum ratlos

„Mutter Mund Vater Land“ heißt diese verschwurbelte „Hörkino“-Produktion, die das Publikum ratlos im Gestühl versinken lässt, bevor es im zweiten Teil von Jaki Liebezeit und seinen magischen Schlagmustern gerettet wird. Schlicht grandios, wie er sein eigenartiges Schlagzeugarsenal bearbeitet, die mächtige Standpauke als taktgebende Basstrommel. Friedman rollt einen knisternden Teppich aus filigranen Loops aus, die wie afrikanische Daumenklaviere, karibische Steeldrums oder balinesische Gamelan-Gongs klappern. Ein neuartiger Klang entsteht, eine formlose Ritualmusik, die den Clubsound von allem Glam reinigt, sich vor Jazz verbeugt und tief in das hypnotische Klöppeln und Brummen hineinzieht.

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