Kultur : Muttis Fischstäbchen

In ihrer ersten Ausstellung bei Meyer Riegger Berlin rekonstruiert Silke Schatz ihre eigenen Träume

Thomas Wulffen

In der Galerie Meyer Riegger muss sich der Besucher diesmal erst orientieren: Vor ihm steht das Modell einer Wohnung, dessen Ausmaße erst deutlich werden, wenn die Rückseite zu sehen ist. Der Besucher kann seinen Blick durch die Räume schweifen lassen und entdeckt Details wie ins Holz eingelassene Intarsien, darunter auch einen Wolf. Das mag den einen an die Märchen der Gebrüder Grimm erinnern, den anderen an die Filme von Alfred Hitchcock. Und so erklärt sich dann auch der Titel der ersten Präsentation von Silke Schatz in Berlin: „I love Psycho“. Die Rauminstallation wird damit ebenso eine Hommage an den Regisseur des Suspense wie auch Bekenntnis zur Durcharbeitung der eigenen Geschichte. Das Modell trägt im Titel dann auch den exakten Ort: „Wolf, Hannover, Müdener Weg 52, 3. Stock, 1. Whg rechts 1970-77“. Und der zusätzliche Titel ist dann ganz nahe an der Wirklichkeit: „Mutter mit Fischstäbchen“.

Tatsächlich rekurriert die Ausstellung auf Radiobeiträge Alexander Mitscherlichs in den Jahren 1973-1975. Sie sind auch die Grundlage der übrigen Wandbilder über die Wohnung, die zusätzlich als isometrische Zeichnung in der Ausstellung präsent ist. Tatsächlich ist allein schon der exakte Strich dieser Zeichnung zu bewundern, denn hier war eben nicht ein Plotter am Werk. Aber die Präzision kann durchaus auch als Markenzeichen von Silke Schatz verstanden werden.

Die Künstlerin macht es dem Besucher nicht einfach, denn die exakten Zeichnungen und Modelle (Preise auf Anfrage) sind umgeben von sehr bunten Bildern, die das Gegenteil zu behaupten scheinen. Tatsächlich aber werden durch diese Gegenüberstellung die Mittel der Darstellung stärker in den Vordergrund gerückt. Diese „quietschbunten“ Bilder wirken wie Traumsequenzen, und sind es zum Teil auch. Wer genauer hinguckt, entdeckt selbst in diesen „Gemälden“ wieder Konstruktionslinien, die den Bildraum gliedern. Vielleicht ist das real geknüpfte Spinnennetz in der Ausstellung die richtige Metapher für das Werk von Silke Schatz, in dem mancher Betrachter sich gefangen fühlt, weil es so überzeugend Grenzen schleift zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten. Oder haben wir das nur geträumt? Thomas Wulffen

Meyer Riegger Galerie, Friedrichstr. 235; bis 26. Februar, Di-Sa 11-18 Uhr.

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