Kultur : Mysteriöse Fussabdrücke

Steffen Richter

genießt seine Reisefreiheit Natürlich reden heute alle vom Mauerfall. Reden wir lieber von Afrika! Und zwar aus einem guten Grund. Er heißt Thomas Stangl und kommt aus Wien. Er geht europäischen Afrika-Projektionen aus fast zweieinhalb Jahrtausenden auf den Grund. „Zunächst ist da das Bild einer Stadt ohne Menschen“, hebt sein Roman „Der einzige Ort“ (Droschl) an.

Sie erinnern sich, wie Robinson Crusoe Spuren im Sand seiner Insel findet? Erst glaubt er, es seien seine eigenen. Dann geht ihm auf: Hoppla, da ist noch ein anderer! Eine Urszene aller Entdeckungsfahrten, denn das weite, unerschlossene Terrain ist durchaus nicht leer. Es wartet nicht auf seine Kolonisatoren. Und exotische Vorstellungen vom Unbekannten verraten oft mehr über uns selbst, als über die Wirklichkeit. Wie unsere Bilder entstehen und entzaubert werden, das verhandelt Thomas Stangl . Morgen stellt er im LCB (20 Uhr) seinen grandiosen Debüt-Roman vor (gemeinsam mit Perikles Monioudis , „Die Stadt an den Golfen“).

Von Afrika nun nach Amerika. Dort stöbert die Privatdetektivin Vic Warshawski in der feinen Gesellschaft von Chicago. Es geht um einen toten Journalisten und ein unbequemes Buch – unbequem vor allem in Zeiten des Patriot Act. Da tun sich erstaunliche Parallelen zur Ära McCarthy auf. Heute kommt Sara Paretsky mit „Blacklist“ (Goldmann) in die Bertelsmann-Dependance (Unter den Linden 1, 20 Uhr, Anmeldung erforderlich: 31107407).

Wir kehren nach Europa zurück, zu Umberto Eco . Nach Rosenkreuzern und Kreuzzüglern entdeckt er in der „Geheimnisvollen Flamme des König Loana“ (Hanser) nun die italienischen Dreißiger- und Vierzigerjahre. Eco liest im Haus der Kulturen der Welt (15.11., 20 Uhr). Der Roman spielt übrigens im Piemont. Eine wunderbare Gegend. Davon konnte ich mich an Ort und Stelle überzeugen. Weil vor 15 Jahren glücklicherweise die Mauer gefallen ist.

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