Mysterykomödie "Der Bunker" : Ganz tief unten, wo noch niemand war

Film ohne Aussicht: Nikias Chryssos erzählt in seinem gelungen Debütfilm "Der Bunker" von einer Kleinfamilie, die sich eingebunkert hat.

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Maskerade. Klaus, Sohn der Bunkerfamilie, soll erst acht Jahre alt sein.
Maskerade. Klaus, Sohn der Bunkerfamilie, soll erst acht Jahre alt sein.Foto: Bildstoerung

Unter der Erde blühen die Neurosen. Wer zu lange ohne Tageslicht auskommen muss, der wird merkwürdig, möglicherweise manisch. „Der Bunker“ im gleichnamigen Film von Niklas Chryssos ist ein Ort, an dem die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn zerfließen. Weitab jeder Siedlung, unter meterdicken Betonwänden in einem verschneiten Wald leben Vater, Mutter, Kind. Es könnte ein Idyll sein.

Ein Knabe mit Rudi-Dutschke-Frisur

Vater und Mutter sind fahle Gestalten, in ihrer gedecktfarbenen, nur schwer datierbaren Kleidung sind sie kaum noch von der Holztäfelung zu unterscheiden. Sohn Klaus gibt Anlass zu großen Hoffnungen. Er kann schon fast alle Hauptstädte aufsagen, und wenn er gefragt wird, was er einmal werden möchte, lautet seine Antwort: „Präsident“. Strenggenommen sieht Klaus allerdings nicht wie 8 aus, eher wie 35. Ein Kindmann in kurzen Hosen und mit Rudi-Dutschke-Frisur auf übergroßem Kopf.

Der Student, der eines Tages als Untermieter in den Einfamilienbunker zieht, könnte von den Brüdern Grimm erfunden worden sein. Er kommt, wie er sagt, aus „der Stadt“ und möchte in der Klausur eine wissenschaftliche Arbeit schreiben, die mit Mathematik und Sternenkunde zu tun haben soll. Stattdessen muss der Student (Pit Bukowski) den Sohn (Daniel Fripan) unterrichten, um seine Miete zu verdienen. „Denken Sie daran, er muss weltweit einsatzfähig sein“, instruiert ihn der Vater (David Scheller). Wichtigstes Lehrmaterial ist der Rohrstock, mit dem der bockige Junge zur Räson gebracht werden muss. Die wesentlichen Befehle kommen von ganz oben, von Heinrich, dem „Anführer einer fremden, hoch entwickelten Galaxie“, der im Körper der Mutter (Oona von Maydell) haust und aus ihr heraus metallisch schnarrend spricht.

Alle Farben der Nostalgie

„Der Bunker“ ist, nacheinander und manchmal auch gleichzeitig, Märchen, Mystery-, Horror-, Science-Fiction-Film. Regisseur Chryssos hält in seinem ersten langen Spielfilm stilsicher die Balance zwischen Groteske und Grusel. Die Farbdramaturgie, die in allen Samttönen der Nostalgie schwelgt, ist brillant, der Humor staubtrocken. „Ich hab’ keine Fenster“, klagt der Student beim Einzug. Der Vater: „Sie haben die Natur hier draußen vor der Tür.“ Ein Zimmer, ein Leben ohne Aussicht.

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