Kultur : Nach dem Erdbeben: Im Feuerring

tdp

Der Bebenherd lag 100 Kilometer vor der Küste im Pazifik. Trotzdem erschütterte das Beben vom Sonnabend El Salvador, Guatemala und Honduras so heftig, dass Brücken einstürzten, Erdhänge abrutschten und Menschen unter sich begruben. Der Erdstoß der Stärke 7,6 auf der Richterskala war kräftiger als das Beben 1999 in der Türkei.

Vor allem das dicht besiedelte El Salvador wird immer wieder von Erdbeben heimgesucht. Seine Küste ist zugleich Frontverlauf zweier riesiger Erdplatten, die hier aufeinandertreffen: Vom Westen, vom Pazifik her kommend, schiebt sich die Cocos-Platte mit einer Geschwindigkeit von rund sieben Zentimetern pro Jahr unter die im Osten angrenzende karibische Platte.

Die unaufhaltsame Erdbewegung kommt dadurch zustande, dass im Pazifik, am mittelozeanischen Rücken, ständig neue Erdkruste aus der Tiefe emporquillt und von dort aus zu den Kontinenten wandert. Die Kruste erkaltet und taucht vor der Küste unter das Festland ab (Subduktion). "Bis in 600 Kilometer Tiefe werden die Platten geschoben", sagt Michael Baumbach vom Geoforschungszentrum Potsdam. "Dabei werden sie aufgeschmolzen und recycelt."

Die Schmelze gibt vielen Vulkanen Nahrung, die in den Subduktionszonen rund um den Pazifik lodern. Auch El Salvador liegt in dem Feuerring. Beben erschüttern das Land, wenn sich die Erdplatten vorschieben. Dies geschieht in bisher unvorhersehbaren Schüben, wenn die Spannung der ineinander verhakten Gesteinsplatten zu groß wird.

Beben vor El Salvador haben ihr Epizentrum meist im Ozean. Die Cocos-Platte sinke hier steil in die Tiefe, sagt Michael Baumbach. Ist die Subduktionszone flacher, wie etwa vor Chile, so ist der Bebenherd häufiger unter dem Festland zu finden. Die gleichwohl schlimmen Folgen für El Salvador sind auf die lockeren Böden zurückzuführen und nicht zuletzt Folge der immer dichteren Bebauung in gefährdeten Zonen.

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