Kultur : Nach dem Jammertal

Auktionator Simon de Pury über Berlin und die Entwicklung des internationalen Kunstmarktes

Ulrich Clewing

Vor einem Jahr kündigte das Auktionshaus Phillips, de Pury & Luxembourg an, seine Berliner Dependance schließen zu wollen. Doch dann folgte statt des Abschieds nur ein Umzug vom Kurfürstendamm in günstigere Räume in der Auguststraße – ein Schritt, den Simon de Pury seither nicht bereut hat. Das Berliner Büro habe dem Haus viele neue Interessenten und Käufer gebracht und er sei mit der Entwicklung sehr zufrieden, sagte de Pury jetzt bei einem Besuch. In gewisser Weise sei die Situation im Galerienviertel rund um die Auguststraße mit der in New York zu vergleichen, wo man das Hauptquartier von der teueren 3 West 57th Street an die 15th Street im Meatdistrict in Chelsea verlegt habe.

Der Optimismus und die angenehme Neigung zu versteckten Komplimenten, die de Pury in Berlin offenbarte, können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Auktionshaus 2003 ein ziemlich düsteres Geschäftsjahr erlebt hat. Doch bei de Pury überwiegt dennoch die Zuversicht. Die „Redimensionierung der Kostenstruktur“, sprich: massive Entlassungen, Auktionen, die kurzfristig abgesagt wurden und eine Neuorganisation der sieben Abteilungen nach mehreren schwierigen Jahren in Folge, die mit dem Irak-Krieg im letzten März einen Höhepunkt der Käufer-Verunsicherung erreichten – das Jammertal dürften Phillips, de Pury & Luxembourg und der Kunstmarkt insgesamt jedenfalls hinter sich haben. Auf der letzten Auktion mit zeitgenössischer Kunst habe es wieder dreizehn Preisrekorde gegeben, außerdem seien auch die Kunstmessen in London und Miami gut gelaufen, für de Pury ein positives Signal für die Zukunft.

Grundsätzlich will sich das Auktionshaus wie bisher besonders im Bereich der Kunst und Fotografie engagieren, die nicht älter ist als 25 Jahre. Das heißt auch, dass die Aktivitäten in Europa und den USA auch künftig ungefähr zu gleichen Teilen vorangetrieben werden sollen. Schließlich zeigten europäische Sammler gerade bei zeitgenössischer Kunst traditionell großes Interesse und machten fünfzig Prozent der Käufer aus.

Dazu soll die Abteilung Design verstärkt werden, schon weil de Pury dort eine Überschneidung der Käuferschichten festgestellt hat. Als drittes Standbein beabsichtigt de Pury, die Auktionen mit Schmuck und Uhren auszubauen. 2004 sind sechs davon geplant, vier in London und zwei in Genf, nachdem auf dem Gebiet im letzten Quartal 2003 die besten Ergebnisse überhaupt in der jungen Firmengeschichte erzielt worden waren.

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