Kultur : Nach dem Lagenwechsel

KLASSIK

Carsten Niemann

Wo war denn die Oboen-Lobby? Dass Oboe und Fagott nicht genug Fans haben, um den Kammermusiksaal des Konzerthauses zu füllen, kann ja wohl nicht wahr sein! Und wer sein Doppelrohrblatt liebt, sollte Auftritte von und mit Heinz Holliger wirklich nicht verpassen. Auch, wenn Holliger das Kammermusikfest der ARD nicht als anzubetender Gott, sondern eher als komponierender wie interpretierender Partner und Mentor eröffnete. Und auch, wenn er dabei in Schumanns Romanzen opus 94 auf himmlisch sanfte Lagenwechsel kleine Kiekserchen folgen ließ. Unter den ARD-Musikpreisträgern, die sich darauf präsentierten, konnte sich Matthias Rácz dank Holligers idiomatischem, virtuosen, aber nicht bierernsten Fagottstück „Klaus ur“ effektvoll in Szene setzen. Noch intensiver gerieten Isang Yuns Inventionen für zwei Oboen, die Holliger zusammen mit Lucas Macias Navarro aufführte: Eine wunderbar klar formulierte musikalische Aufgabe, bei deren Lösung sich die Interpreten in intelligenter Wechselrede Triller, Glissandi, Vorschläge und das Wasser reichten. Während die Pianistin Chiao-Ying Chang dem Schumann-Schwerpunkt mit den Fantasiestücken Op. 12 (die ihr aber zu wenig „in Callots Manier“ gerieten) eine betont elegante Note versetzte, beendete die Doppelrohrblattfraktion der Preisträger den Abend mit einer würdigen Hommage für Holliger: Der hat nämlich als Erster die Triosonaten von Jan Dismas Zelenka bekannt gemacht: Musik, die in kontrapunktischer, harmonischer wie melodischer Erfindung den Werken Bachs ebenbürtig ist. Heute wird zum Abschluss der Konzertreihe noch einmal eine von ihnen zu hören sein. Ohne Holliger allerdings.

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