Kultur : Nach der Krise ist vor dem Boom Das Medienboard bilanziert das Jahr 2009

Krise? War da was? Kleine Rückgänge sind kein Grund zur Sorge, versichern die Geschäftsführerinnen Kirsten Niehuus und Petra Müller vom Medienboard Berlin-Brandenburg. Mit 28,9 Millionen Euro blieb das Fördervolumen im Jahr 2009 zwar um 300 000 Euro hinter dem Vorjahresbudget zurück. An der Beliebtheit des Filmstandorts ändert das nichts.

Verdreifachung der Drehtage seit 2005! Zuschauerrekord mit über 20 Millionen Besuchern von geförderten Produktionen! 42 Firmen-Neuansiedlungen! Eine Million Euro für digitale Inhalte! All das stimmt auch Barbara Kisseler als Aufsichtsratsvorsitzende und Chefin der Berliner Senatskanzlei optimistisch.

Man kann die Zahlen auch weniger euphorisch lesen als bei der Vorstellung des Jahresberichts 2009 im Café Einstein in der Kurfürstenstraße. Der Umsatz der mit Medienboard-Mitteln angeschobenen Projekte ist zurückgegangen, von 126,5 Millionen Euro 2008 auf 104 Millionen. 49 Prozent der Medienunternehmen sind mit der eigenen Bilanz nicht zufrieden. Zahlen über Firmenschließungen hat das Medienboard dennoch nicht zu bieten. Sicher ist allerdings, dass der Boom der Großproduktionen in Babelsberg, von „Operation Walküre“ über „Inglourios Basterds“ bis zu Polanskis „Ghost Writer“, weitgehend zum Erliegen kam. Immerhin hat Roland Emmerich in Babelsberg inzwischen „Anonymous“ abgedreht. Die Constantin-Produktion „Die drei Musketiere“ ist auch nicht von Pappe, und für die gebeutelten Amerikaner ist europäisches Fördergeld nun erst recht attraktiv. Auch hat sich der kulturelle Erfolg der Region längst internationalisiert; Kirsten Niehuus freut sich einmal mehr über all die Lolas, Palmen, Globes und Oscars, zuletzt für Christoph Waltz in „Inglourious Basterds“.

Die Studios, so Brandenburgs Wirtschafts-Staatssekretär Henning Heidemanns, seien voll ausgelastet. Über einen Ausbau zwecks Kapazitätssteigerung werden Gespräche geführt. Und die Stimmung, versichert Petra Müller für ihren Bereich, das Standortmarketing, ist allemal gut: 76 Prozent der Befragten rechnen 2010 mit steigendem Umsatz. Und das, obwohl die Branche neben der Finanzkrise auch einen Strukturwandel zu verkraften hat: die Digitalisierung und Onlinesierung bewegter Bilder.

Einziger Wermutstropfen: Petra Müller wird bekanntlich Chefin der NRW-Filmstiftung, sie verlässst das Medienboard. Barbara Kisseler nennt die Personalie „unseren Beitrag zum Aufbau West“. Ein Nachfolger wird noch gesucht. chp

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