Kultur : Nach Florenz!

„Zwischen Fremden“ – der 100. Film der Sophia Loren

Jan Schulz-Ojala

Eigentlich eine Familienangelegenheit: Edoardo Ponti (31) dreht seinen ersten Film, mit seiner Mutter Sophia Loren (69) in der Hauptrolle. Ein Freundschaftsdienst: Allerlei berühmte Schauspieler sind mit von der Partie – Bewunderer gewiss der Loren, die die Einladung in ihren 100. Film nicht ausschlagen mochten. Ehrensache also: Geschätzter Filmkritiker, wenn bitte auch Sie sich ins Gästebuch eintragen würden?

Hm. Jjja. Drei feierliche Geschichten breitet der Film aus, Geschichten von leidenden Frauen und garstigen, schließlich doch gütigen Männern: Da ist die Fotografin (Mira Sorvino), die nach ihrer ersten Kriegsreportage erkennt, dass sie doch nicht der Stolz ihres Vaters (Klaus Maria Brandauer) sein will. Da ist die stille Cellistin (Deborah Unger), die Mann und Kinder verlässt, um ihren aus dem Gefängnis entlassenen Vater zu töten, weil der einst die Mutter zu Tode prügelte. Und da ist die Supermarktangestellte Olivia (Sophia Loren), die einst ihr geliebtes Kind weggab, weshalb sie sich mit einem jähzornigen Ex-Sportler im Rollstuhl (Pete Postlethwaite) vermählte, der sie eines Tages denn doch ziehen lässt, nach Florenz, in ein neues Leben, in dem auch der fröhlich-besinnliche Gärtner Gérard Depardieu ...

Von Selbstbestrafungen und schmerzhaften Erweckungen, von Trübsal und Hoffnungsstrahlen, von immer wieder neuen Schicksalsschlägen erzählen diese drei gemächlich aneinandergewebten Episoden, denen man in jeder sorgsam gestellten Szene ansieht, dass sie allein einem festlichen Anlass dienen: dem 100. Film der Sophia Loren. Und während die Kollegen teils deftig irdisch daherkommen, allen voran Pete Postlethwaite als Ekel von Ehemann, scheint Sophia-Olivia über alle hinwegzuschweben – ob beim Herumräumen in Regalen, ob als stummes Eheweib oder in der Sehnsucht nach später Erfüllung in der Malerei. Ja, Olivia ist nicht von dieser, sondern von einer besseren Welt, und der Film findet, indem er sie im Regen schmachtend ans Fenster stellt oder durch einen hellen Park lustwandeln lässt, stets die passenden Bilder dafür.

Genug! Sie haben verstanden, Kritiker. Und nun lassen Sie uns mit uns und unserem Publikum allein, und gehen Sie Ihrer Wege. (In vier Berliner Kinos)

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