Kultur : Nach Kreta, bitte

Die etwas andere Taxi-Reise: Das Xenon-Kino zeigt „Thelma“

Cristina Moles Kaupp

Eine Frau steht an einem Ufer, frisch verlassen vom Geliebten. „Du klammerst“, hatte er ihr vorgeworfen, um dann mit der Ehefrau in Urlaub zu fahren. Sicher ist sicher. Auf Thelma wartet das Taxi, und darin ein vom Leben ebenfalls gebeutelter Fahrer. Seine Ex will Geld, das er nicht hat, und deshalb darf er seinen Sohn nicht sehen. Nun sitzt Thelma in seinem Taxi, bietet ihm viel Geld. Fahrziel Kreta: Dort will sie mit ihrem Treulosen abrechnen.

Im Kinodebüt des Schweizer Dokumentarfilmers Pierre-Alain Meier steckt mehr als nur eine schön erzählte Liebesgeschichte für Erwachsene. Denn Madame (Pascale Ourbih) hat ein Geheimnis: Sie hieß einmal Lou und war ein Mann. Launisch stöckelt sie durch ihre neue Identität, hat die Männer fest im Blick. Je schamloser ihre Flirts, desto stärker sieht sich Thelma in ihrer Frauwerdung bestätigt. Nur, dass hinter ihrem umwerfenden Charme die Selbstzerrissenheit einer Transsexuellen nistet. Fahrer Vincent (Laurent Schilling) reagiert panisch, als er Thelma zum ersten Mal nackt erblickt. Er hat sich verliebt und schließt sie erst einmal ein wie ein wildes kostbares Tier. Nichts löst sich in „Thelma“ schnell und einfach. Dafür aber gut.

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