• Nach "Nieten in Nadelstreifen": Günter Ogger geht mit Deutschlands Managern hart ins Gericht

Kultur : Nach "Nieten in Nadelstreifen": Günter Ogger geht mit Deutschlands Managern hart ins Gericht

Ralf Balke

Sind die Globalisierungsfalle und der Turbokapitalismus verantwortlich für die zahlreichen Probleme Deutschlands? Oder liegt die Schuld bei den wirtschaftlichen Führungseliten und ihrem Machtrausch? Diesen Fragen geht der durch "Nieten in Nadelstreifen" bekannt gewordene Wirtschaftsjournalist Günter Ogger nach. War sein Bestseller eine locker geschriebene Darstellung der grassierenden unternehmerischen Inkompetenz in den deutschen Chefetagen, so thematisiert er in seinem neuen Buch den hemmungslosen Machtrausch von Bossen wie DaimlerChrysler-Lenker Jürgen Schrempp oder Hoechst-Konzernchef Jürgen Dormann und die Konsequenzen.

Ausgangspunkt für Oggers Betrachtungen ist die aktuelle Fusionsmanie, die außer dem Drang nach schierer Größe keine klaren Konzepte oder Strategien erkennen lässt. Als Motive für den ungebremsten Trieb der Topmanager, durch Übernahmen und Konzern-verschmelzungen ihre Unternehmen auf die Spitzenplätze aller möglichen Industrie-Rankings zu katapultieren, macht er allein Großmannssucht und Habgier aus. Fressen oder gefressen werden, so laute die Devise.

Die Macher folgen in ihrem Handeln einem Herdentrieb, glaubt Ogger. War es in den achtziger Jahren en vogue, durch Zukäufe eine größtmögliche Diversifikation zu erreichen und Megaunternehmen zusammenzuschmieden, die auf den unterschiedlichsten Geschäftsfeldern aktiv werden sollten, so lautet die aktuelle Modeströmung der "Fusionsartisten", die Umsatzzahlen im Kerngeschäft aufzublähen und allein den "Shareholder Value" im Auge zu behalten. Das Betriebsklima, das maßgeblich zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt, und gewachsene Konzernstrukturen bleiben laut Ogger angesichts des "kollektiven Größenwahns" auf der Strecke, die Mitarbeiterkriminalität aus Frust am Job steigt explosionsartig. Ogger prangert die Unkontrollierbarkeit der Top-Manager an, die selbst dann munter weiter machen können, wenn der Karren in den Dreck gefahren wurde. Für ihn ist Hoechst-Chef Jürgen Dormann dafür ein Musterexemplar. Dormann habe es geschafft, innerhalb weniger Jahre einen kerngesunden Pharmakonzern durch den Kauf des amerikanischen Kunststoffherstellers Celanese und anderer Unternehmen einen riesigen Schuldenberg zu produzieren. Am Ende des Totalumbaus stand die Fusion mit dem französischen Konzern Rhone-Poulenc und ein deutsch-französischer Zwitter namens Aventis. Der zugkräftige Name Hoechst, einst Symbol qualitativ hochstehender Pharmaprodukte, soll nach dem Willen des "großen Zerstörers" verschwinden.

Ogger versteht es, das Unbehagen über Deutschlands allmächtige Macher auf den Punkt zu bringen, leider sind seine Betrachtungen allzu oberflächlich und wiederholen sich. Zu sehr übt er sich in der Pose des Scharfrichters. Vieles hat man schon woanders besser formuliert gelesen. Außerdem gerät der Vergleich des Verhaltens von Top-Managern, die ohne Rücksicht auf Verluste ihre gescheiterten Konzepte bis zum bitteren Ende durchziehen, mit dem des "größten Feldherrn aller Zeiten" (gemeint ist Hitler) gründlich daneben.Günter Ogger: Macher im Machtrausch - Deutschlands Manager auf gefährlichem Kurs. Droemer, München 1999. 352 S. 39,90 DM.

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