Nach Premierenabsage : „Smolensk“: Botschaft sucht neues Kino

Das Berliner Delphi-Kino will den umstrittenen polnischen Film "Smolensk" nicht zeigen. Der Botschafter spricht von "Obstruktion" und sucht einen neuen Raum.

Jan Schulz-Ojala
Experten untersuchen im April 2010 die Überreste der bei Smolensk abgestürzten Tupolev TU-154. Foto: REUTERS
Experten untersuchen im April 2010 die Überreste der bei Smolensk abgestürzten Tupolev TU-154.Foto: REUTERS

Mit ungewöhnlicher Schärfe hat der neue, von der rechtsgerichteten polnischen Regierung bestellte Botschafter in Deutschland, Andrzej Przylebski, die Entscheidung des Berliner Delphi-Kinos kommentiert, den umstrittenen Film „Smolensk“ entgegen ursprünglicher Einladung nicht zu zeigen. Zur Begründung des Kinos wegen Sicherheitsbedenken sagte Przylebski – laut dpa – im staatsnahen Sender TVP, es handele sich dabei offenbar um eine „momentane Obstruktion“. Und: „Ich denke nicht, dass irgendjemand sich in die Luft sprengen würde, weil dieser Film gezeigt wird“.

Wie am Wochenende berichtet, hatte die Botschaft bereits 800 Einladungen zur festlichen Deutschland-Premiere des Films am 7. November versandt. Der Spielfilm „Smolensk“ vertritt die zur polnischen Regierungslinie gewordenen Theorie, der Flugzeugabsturz, bei dem im April 2010 Staatspräsident Lech Kaczynski und 95 weitere Passagiere starben, sei Folge eines Attentats gewesen, hinter dem der russische Regierungschef Putin gestanden habe.

Unterdessen bemüht sich die polnische Botschaft weiterhin um einen Ausweichstandort. Entsprechende Gespräche seien im Gange, sagte deren Presseattaché am Sonntag auf Anfrage. Auch wolle man den Film demnächst in Hamburg, München und Düsseldorf zeigen, wo Polen Generalkonsulate unterhalte. Orte und Termine stünden hier allerdings noch nicht fest.

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Sechster Jahrestag des Todes von Lech Kaczynski
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