• Nach Protest von Holocaust-Überlebenden: Uni Tel Aviv sagt großes Wagner-Konzert in Israel ab

Nach Protest von Holocaust-Überlebenden : Uni Tel Aviv sagt großes Wagner-Konzert in Israel ab

Es sollte das erste große Wagner-Konzert in Israel seit Beginn des Boykotts von 1938 werden. Doch auf Druck von Holocaust-Überlebenden wurde es nun abgesagt. Die Veranstalter kämpfen aber weiter.

Wann ist seine Musik wieder in Israel zu hören? Der Komponist Richard Wagner
Wann ist seine Musik wieder in Israel zu hören? Der Komponist Richard WagnerFoto: dpa

Auf Druck von Holocaust-Überlebenden hat die Universität Tel Aviv das erste große Wagner-Konzert in Israel abgesagt. Sie habe „heftige und wütende Beschwerden und Forderungen nach einer Absage des umstrittenen Konzerts erhalten“, erklärte die Universitätsleitung. Die für 18. Juni Aufführung stelle die Überschreitung einer roten Linie dar und werde die Gefühle von Holocaust-Überlebenden verletzen.

Eine Sprecherin der Universität teilte am Dienstag mit, man habe den Veranstalter schriftlich über diese Entscheidung informiert. Der Vorsitzende der israelischen Wagner-Gesellschaft, Jonathan Livny, sagte der Nachrichtenagentur dpa, man wolle nun vor Gericht gegen die Universität vorgehen, um sie zu zwingen, das Konzert vereinbarungsgemäß abzuhalten. „Wir suchen nach einer Lösung.“ Man prüfe auch, ob das Konzert an einem anderen Ort stattfinden könne.

Nach mehr als sieben Jahrzehnten des Boykotts wollten Musiker in Israel am 18. Juni im Smolarz-Auditorium der Universität erstmals einen ganzen Konzertabend dem deutschen Komponisten Richard Wagner (1813 - 1883) widmen. Wagner ist in Israel wegen antisemitischer Positionen und seiner großen Beliebtheit während des NS-Regimes sehr umstritten. Ein bereits 1938 ausgesprochener Boykott Wagners wurde zwar schon mehrmals gebrochen, es gab jedoch nie ein vollständiges Konzert mit seinen Werken.

Die Universität betonte, sie sei bewusst nicht darüber informiert worden, dass Wagner-Musik gespielt werden solle. Livny wies dies jedoch heftig als „Quatsch“ zurück. Es gebe sogar einen Briefwechsel mit der Universität zu dem Thema.

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