Kultur : Nach uns die Eisheiligen ...

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Fortsetzung von Seite 25

Je aussichtsloser die Lage, desto größer die Tatkraft. Was macht der alte Europäer angesichts der Apokalypse? Jacks schottischer Kollege (Ian Holm) trinkt mit seinen britischen Mitarbeitern ein letztes Glas Whiskey im Stehen, man stößt auf Manchester United an und ergibt sich wehrlos dem tödlichen Schicksal. Schwächlinge! Der Amerikaner leistet dagegen schier Übermenschliches und trotzt der Naturgewalt wider besseres Wissen. Wenn Flutwellen den Kontinent überspülen und versprengte Überlebende durch die weiße Hölle nomadisieren, gemahnt Emmerichs Films auch an die Urangst der sesshaft gewordenen amerikanischen Pioniere: dass ihnen das Land der Träume wieder abhanden kommt. Schreckliche Vorstellung: ausgerechnet nach Mexiko auswandern müssen.

Stattdessen dräut zuletzt bei Sonne und Schneeschmelze das Kleinfamilienglück. Vater Jack erreicht Manhattan und seinen Sohn – Triumph des Überlebenswillens: Emmerich rehabilitiert die derzeit reichlich angeschlagenen HollywoodHelden. Auch ist der USPräsident mitnichten eine Bösewicht, sondern hält solidarisch die Stellung, bis es zu spät ist. Der Fiesling ist der Vizepräsident, auch wenn er am Ende seinen politischen Irrtum eingesteht. Merke: Eher kommt eine neue Eiszeit, als dass ein US-Vizepräsident sich vor laufender Kamera entschuldigt. Vom Präsidenten zu schweigen.

Ab morgen in 27 Berliner Kinos. OV im Babylon, Cinemaxx Potsdamer Platz und Cinestar Sony-Center

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