Kultur : Nachdenken über sich selbst Die Nationalgalerie fragt: „How German is it?“

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Zwischen September 2009 und Januar 2010 fand in der Neuen Nationalgalerie Berlin eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „How German is it?“ statt. Ob das nun Oxford-Englisch oder doch eher nur Denglisch sein sollte, mag dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall spricht die internationale Kunstszene in solchem Jargon. Die Veranstaltungsreihe markierte ein Novum: Vorträge und Diskussionen inmitten einer Ausstellung, und zwar in der – sagen wir mal: selbstbewusst betitelten – Ausstellung „Nationalgalerie“ des Fotokünstlers Thomas Demand. Die gezeigten Bilder sollten jeweils Ausgangspunkt sein eines Diskurses über Themen, die man als „typisch deutsch“ bezeichnen könnte, wenn auch sicher nicht ausschließlich. Große Geister kamen zu Wort, Politiker im Ruhestand, Dichter und Denker; dazu handfeste Interessenvertreter wie der Springer-Chef Matthias Döpfner, der die Segnungen des Kapitalismus beschwor.

Das alles ist nachzulesen in dem Sammelband unter dem Titel „Nationalgalerie. How German is it?“ (Suhrkamp Verlag, Berlin 2011, 431 S., 29,90 €), herausgegeben von Thomas Demand und Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann, der damit einen Beleg für den angestrebten, umfassenden „Auftritt“ seines Hauses liefert. In der Lektüre, ohne das Ambiente der Ausstellung im nächtlich dunklen Mies-Bau an der Potsdamer Straße, lesen sich die Beiträge recht disparat, eben als Sammlung von Beiträgen, die so oder auch anders hätten ausfallen können. Immerhin, da es in der Regel Originalbeiträge sind, ist die Veröffentlichung im noblen Suhrkamp Verlag nicht überflüssig, sondern ihrerseits ein Dokument. Und besonders schön, dass jeweils die Fotoarbeiten von Thomas Demand abgebildet sind, auf die sich die Beiträge beziehen. Bernhard Schulz

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