Kultur : Nacherlebtes Überleben - die Strandung der "Götheborg"

Simone Leinkauf

Warum sank die "Titanic"? Warum kenterte die "Wasa"? Warum lief die "Götheborg auf Grund"? Schiffsunglücke beschäftigen noch nach Jahrzehnten die Phantasie, Filme und Bücher nehmen sich der Themen an. Da kann mitgelebt, mitgelitten werden: Mats Wahl und Sven Nordqvist, durch seine wunderbaren Geschichten um den Bauern Petterson und seinen Kater Findus bekannt, widmen sich der Strandung der "Götheborg" am 12. September 1745: Aus China zurückkehrend, segelte sie bei gutem Wetter und mit einem Lotsen an Bord direkt auf die bekannte Klippe Hunnebadan zu, 900 Meter von der Festung Nya Älvsborg entfernt. Die gesamte Ladung - Porzellan, Seide und Tee - landete im Wasser. Von einem betrunkenen Lotsen war ebenso die Rede wie von einem Komplott der Schiffsführung, um bei wichtigen Verhandlungen über zukünftige Konzessionen Druck ausüben zu können. Sollte die "Götheborg" nur leicht auf Grund gesetzt werden? Mats Wahl erzählt die Geschichte aus Sicht des 14-jährigen Anders Fagel, der nach dem Tod des Vaters die Familie verlässt. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Jonas schmuggelt er sich an Bord der "Götheborg", wo die blinden Passagiere gefunden werden, als der Segler sich auf hoher See befindet. Für Anders ein großes Glück: Nach kurzer Schelte wird er zum Schiffsjungen des Schiffspredigers, lernt lesen und schreiben, gewinnt Freunde.

Unsentimental erzählt Wahl von der Schifffahrt zu einer Zeit, als der Tod des besten Freundes einfach hingenommen werden musste, weil jeder mit dem eigenen Überleben beschäftigt war: von Intrigen, Loyalität, von Freundschaft und Verbrechen. Eben ein Stoff, aus dem Abenteuer-Träume kleiner Jungs gestrickt sind. Attraktiv ist "Die lange Reise" zusätzlich durch die Illustrationen Sven Nordqvists. Auf jeder Zeichnung sind noch bei wiederholter Betrachtung liebevoll gezeichnete Details zu finden, die man auf den ersten Blick übersieht. Abgerundet wird das Buch durch einen Sachbuchteil, der über die Geschichte der Ostindischen Kompanie sowie Wissenschaft und Philosophie des 18. Jahrhunderts informiert, ergänzt durch Fotos und Karten, alte Stiche und historische Tabellen. Ein gelungenes Buch, das vom Kinder-ins Jugendzimmer mitwandern wird, geeignet zum Vorlesen und Selberlesen - für Kids ab acht.Sven Nordqvist, Mats Wahl: Die lange Reise. Geschichte eines Ostindienfahrers. Oetinger, Hamburg 1999. 104 S. . 29,80 DM.

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