Nachlass von Pierre Brice : Winnetous Silberbüchse kommt unter den Hammer

Manitu, hilf! Indianerkostüme, Zaumzeug und die Flinte - alles wird versteigert. Und damit deutsches Kulturerbe. Wenn das kein Fall für das Kulturgutschutzgesetz ist. Eine Glosse.

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Die Büchse! Pierre Brice 1982 bei den Karl-May-Festspielen im sauerländischen Elspe.
Die Büchse! Pierre Brice 1982 bei den Karl-May-Festspielen im sauerländischen Elspe.Foto: Horst Ossinger/dpa 

Apachen der Herzen, auf nach Mühlenbeck bei Berlin! Aus dieser Metropole des internationalen Kunsthandels kommt eine alarmierende Nachricht. Die dortige Historia Auktionshalle versteigert am kommenden Wochenende den Nachlass von Pierre Brice. Am Mittwoch schon beginnt die Vorbesichtigung der 1500 zum Verkauf stehenden Gegenstände.

Nun stammte der im Juni im Alter von 86 Jahren verstorbene Schauspieler zwar aus der Bretagne, aber begraben ist er – da schaut ihr, Franzosen! – in Gräfelfing bei München.

Zuvor hatten er und seine deutsche Ehefrau Hella gar noch gemeinsam den Umzug nach Deutschland geplant. Wo es dieser noblen Geste doch gar nicht mehr bedurft hätte, um deutlich zu machen, dass der Mann, der Karl Mays edlen Häuptling Winnetou wie kein zweiter verkörpert hat, Teil des deutschen Kulturerbes ist.

Und genau das ist jetzt gefährdet, wenn nun in der Mark neben Preziosen wie Brice’ in Kindertagen selbstgebautem Spielzeugboot, dem Dolch, den er im Zweiten Weltkrieg von einem deutschen Offizier geschenkt bekam und seinem Jaguar V6 auch Erinnerungsstücke an die ruhmreiche Zeit als Winnetou unter den Hammer kommen.

Ein Symbol für Treue und Geradlinigkeit

Dazu gehören von Brice eigenhändig bemalte Indianerkostüme, Sättel, Zaumzeuge – und die berühmte Silberbüchse. Zumindest sie müsste doch, wenn es in Deutschland noch irgendwie mit rechten Dingen zugeht, unter das viel diskutierte Kulturgutschutzgesetz fallen.

Holbeins Schutzmantelmadonna? Geschenkt! Die Silberbüchse steht wie keine andere Flinte für die deutschen Tugenden von Treue und Geradlinigkeit. Ohne je einen Fehlschuss abgegeben zu haben, hat sie Pierre Brice jahrzehntelang sowohl zu den Karl-May-Festspielen nach Bad Segeberg wie zu denen nach Elspe im Sauerland begleitet.

Was, wenn nicht diese Königin unter den Vorderladern soll, nein muss in Deutschland bleiben. Nicht, dass sich dieses bis in den letzten Nagel symbolisch aufgeladene Stück deutscher Identität in Mühlenbeck noch ein Ölscheich oder Wall-Street-Broker für seinen Privataltar schnappt.

Der Silberbüchse gebührt ein Ehrenplatz. Am besten im Karl-May-Museum in Radebeul, wo auch schon die für Karl May angefertigte Dekorationswaffe hängt. Monika Grütters, übernehmen Sie!

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