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Polens Stimme im Exil: der Dramatiker Slawomir Mrozek ist tot



Der polnische Schriftsteller und Satiriker Slawomir Mrozek ist mit 83 Jahren in seinem Wohnort Nizza gestorben. Anna Zaremba Michalska, die Chefin seines Warschauer Verlags Wydawnictwo Literackie würdigte ihn als „moralische Autorität und Vorbild für Generationen von Polen“. Der 1930 in einem galizischen Städtchen in der Nähe von Krakau geborene Mrozek war in den sechziger Jahren nach Italien und später nach Frankreich emigriert, wo er 1968 Asyl beantragt hatte. Auch im Exil verfolgte er die Geschicke seines Landes und schrieb unter anderem für die Exil-Literaturzeitschrift „Kultura“. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das Theaterstück „Tango“von 1964, eine Abrechnung mit dem Totalitarismus. Sein Stück „Die Emigranten“ wurde von Oscar-Preisträger Andrzej Wajda verfilmt.

Mrozek hatte Architektur, Kunstgeschichte und Orientalistik studiert. In Polen war er zunächst als Karikaturist erfolgreich. 1957 erschien sein erstes Buch mit satirischen Erzählungen. Seine Bühnenwerke wurden in aller Welt aufgeführt, in Deutschland gehörten sie lange zu den meistgespielten Stücken. Mrozek wurde mit dem Kafka-Preis (1987), dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (1972) und gemeinsam mit Tankred Dorst mit dem deutsch-polnischen Samuel-Bogumil-Linde-Preis (2006) ausgezeichnet. Auf Deutsch erscheint sein Werk im Diogenes Verlag. 2014 soll dort der erste Band seiner Tagebücher aus den Jahren 1962 bis 1969 erscheinen. Tsp

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