NACHRICHTEN : Grandioser Irrsinn

Stiftung Händel-Haus erwirbt seltenen „Wassermusik“-Notendruck

Die Stiftung Händel-Haus hat einen seltenen frühen Notendruck von Händels „Wassermusik“ erworben. Der Klavierauszug stammt aus einem süddeutschen Antiquariat. Der Band mit dem Titel „Handel's Celebrated Water Musick Compleat“ sei im Jahr 1743 in London erschienen und gehöre zu den frühesten Ausgaben des Werkes. dpa

Media-Preis der Europäischen Union für Regisseur Thomas Vinterberg

Der Däne Thomas Vinterberg bekommt für ein neues Filmprojekt den Media-Preis der EU. Mit der undotierten Auszeichnung sollen Filmentwicklung, Fortbildung und Vertrieb gefördert werden. Vinterberg erhält den Preis für „Die Kommune“, die Produktion beginnt 2014. EU-Kulturkommissarin Androulla Vassiliou wird ihn bei den Filmfestspielen von Cannes übergeben. dpa

Gespräche über den Suhrkamp Verlag sind dieser Tage stets von einem melancholischen Hauch durchzogen, wenn nicht gar von heftigen, extrem vergangenheitsseligen Luftzügen. Der Verlag zerlegt sich in unzähligen Prozessen vor Berliner und Frankfurter Gerichten, und die Seite, die als die bewahrende, sich ihres geistig-kulturellen Erbes stets bewusste gilt, verliert ein ums andere Mal. Ein Geburtstag wie der 50. der Edition Suhrkamp ist da schon fast keiner Rede und Feier mehr wert – und so wundert man sich zunächst nur im stillen Kämmerlein, wenn einem zuhause aus dem Bücherregal der hellgrüne „es“-Band Nummer 172 in die Hände fällt, Walter Benjamins „Versuche über Brecht“, und vorne drin steht: „1971, dritte Auflage, neunzehn- bis siebenundzwanzigtausend“. Ach, was für eine Zeit! Ein weit über 20 000mal verkauftes Taschenbuch von Benjamin über Brechts Theater! Welcher „es“-Band schafft heute ein Zehntel dieser Auflage?

Das Schöne ist, dass der Verlag sich darum nur bedingt kümmert und einfach immer weiter Edition-Suhrkamp-Bände publiziert. Neun Titel gibt es im kommenden Herbst, beispielsweise von Jürgen Habermas, Peter Sloterdijk oder Detlef Kuhlbrodt, dazu drei aus der noch jungen Edition Unseld.

Und tatsächlich, ungeachtet der existenzgefährdenden Gerichtsstreitigkeiten geht der Betrieb ja weiter. Es gibt ein brandneues Suhrkamp-Programm, das vielleicht eine Idee kompakter als in der Vergangenheit wirkt, aber eigentlich wieder der grandiose Irrsinn ist. Das Register am Ende zählt über 130 Namen. Und was für welche! Von Peter Handke gibt es einen neuen Versuch, nach dem „über den stillen Ort“ ist nun der „über den Pilznarren“ dran. Hans Magnus Enzensberger legt ein neues Prosabuch vor, von  Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa gibt es einen neuen Roman, auch von Louis Begley; von Cees Nooteboom, Friederike Mayröcker und Michael Krüger erscheinen neue Gedichte; und Alexander Kluge und Gerhard Richter haben ein weiteres Mal ein Büchlein zusammen gemacht, „Nachricht von ruhigen Momenten“.

Man fragt sich natürlich, ob der Verlag aus marktstrategischen Gründen nicht das eine oder andere dieser Bücher zurückhalten, die Handke-Enzensberger-Nooteboom-Vargas-Llosa-Veröffentlichungsfrequenz etwas verlangsamen sollte; ob wirklich sogleich noch Nootebooms „Venezianische Vignetten“ oder Handkes Tag-Nacht-und-Traum-Sätze („Ein Jahr aus der Nacht gesprochen“) veröffentlicht werden müssen.

Eigentlich ist das alles wieder viel zu viel, das schafft kein Mensch und braucht auch nicht jeder. Aber welcher Verlag leistet sich das noch, so einen Überfluss? Es wäre ein Trauerspiel, wenn es den Suhrkamp Verlag gar nicht mehr gäbe. Oder, was auch möglich ist, wenn er nur noch nach rein ökonomischen Kriterien sein Programm zusammenstellte. Das würde die totale Melancholie auslösen.

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