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Säureattacke: Moskauer Ballettchef zur Behandlung in Aachen



Der bei einem Säureanschlag verletzte Moskauer Ballettchef Sergej Filin vom Bolschoi Theater will an diesem Montag zur weiteren Behandlung nach Deutschland fliegen. „Es gibt eine Vereinbarung mit einer Klinik in Aachen, wohin eigens auch zwei Spezialisten aus Köln anreisen“, sagte der 42-Jährige. Aus Sicherheitsgründen fliegt Filin, der von seiner Ehefrau Maria Prorwitsch begleitet wird, mit einem Privatjet und lässt sich von Leibwächtern beschützen. Noch immer ist unklar, wer hinter dem Attentat vom 17. Januar steckt, bei dem Filins Augen und Gesichtshaut stark verätzt worden. Der Ballettstar selbst sagte dem britischen Sender BBC, er kenne den Täter. „Aber ich werde erst darüber sprechen, wenn die Ermittler bereit sind, den Namen zu verkünden“, sagte er. Das Motiv für den Anschlag liege in seiner Arbeit. Als Ballettchef entscheidet Filin seit März 2011 über begehrte und lukrative Rollenbesetzungen. dpa

Jugendbuchforscher Ewers für Streichung rassistischer Begriffe

In der Debatte um umstrittene Begriffe in Kinderbüchern hat der Jugendbuchforscher Hans Heino Ewers der Literaturkritik „Scheinheiligkeit“ vorgeworfen. Zeitgemäße sprachliche Anpassungen wie bei Otfried Preußler oder Astrid Lindgren seien wichtig. „Bis zum Alter von neun Jahren beziehen Kinder abwertende Begriffe wie ,Neger’ noch auf sich selbst. Wer dunkelhäutig ist, fühlt sich dann verletzt“, erklärte der Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung an der Universität Frankfurt. „Ich frage mich, wo bleibt der Respekt für Kinder zum Beispiel aus bikulturellen Familien“, sagte der Germanistik-Professor an die Adresse von Literaturkritikern, die sich in den vergangenen Wochen über die Veränderungen empört haben. Anlass war die Ankündigung des Stuttgarter Thienemann Verlags, in Preußlers Büchern wie der „Kleinen Hexe“ rassistisch besetzte Begriffe wie „Neger“ oder „Negerlein“ durch unbelastete Worte auszutauschen. Bei Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ wurde schon vor einigen Jahren der „Negerkönig“ zum „Südseekönig“.

Zu den Traditionalisten zählt auch der Literaturkritiker Denis Scheck. Für Irritationen hat sein jüngster Auftritt in der ARD-Sendung „Druckfrisch“ gesorgt, als er aus Protest gegen die Veränderungen mit schwarz geschminktem Gesicht auftrat. „Es ist völlig deplatziert, hier von Zensur zu reden“, sagte Ewers. Er verwies darauf, dass Autoren ihre Manuskripte oft mehrfach bearbeiteten. Bei historischen Editionen sei eine Aufbereitung unverzichtbar. Treue zum Text könne in Einzelfällen ein adäquates Textverständnis verhindern. dpa

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