Kultur : Nachrichten

— Tocotronic:

Kapitulation (Universal)

So weise und so richtig,

so berückend und so dynamisch, so poppig und so funkelnd hat schon lange kein Rockalbum aus Deutschland mehr geklungen.

— Arbouretum: Rites of Uncovering (Rough Trade)

Da kann man sich alle Led- Zeppelin-, Harmonia- und Fairport-Convention-Reunions an die Backe schmieren: Die Mischung aus Hardrock, Folk, Kraut und Psychedelia von den vier jungen Vollbartträgern aus Maryland klingt in neu viel frischer und aufregender.

— Modest Mouse: We were dead before the Ship even sank (Sony)

Ein Phänomen: Wie eine Band sich treu bleibt, immer noch komplexer, abgründiger und schöner wird und plötzlich die ganze Welt sie in die Arme schließt. Da möchte man fast an das Gute im Mainstream glauben.

— Justice: † (Ed Banger)

Gemessen an den vielen großen French-House-Produktionen der letzten zehn Jahre von Etienne de Crecy bis Daft Punk – auch am Ende des Jahres sind Justice der doofeste Hype und die Enttäuschung schlechthin.

— Stars: In our Bedroom after the War (City Slang)

Die nerven inzwischen, die vielen Hippie-, Mistel- und Sonst-was-Kollektive aus Kanada. Die Stars aber haben mit diesem Album ein Meisterwerk geschaffen – so viele schöne, ausgeschlafene und jubilierende Popsongs.

— Detlef Kuhlbrodt:

Morgens leicht, später laut (Suhrkamp)

Im Pop ein fast totes Medium, in der Literatur gerade en vogue: Singles. Oder auch: Prosaminiaturen. Kuhlbrodt ist ein Meister darin. Bei ihm entfalten sich auf 1800 Zeichen ganze Gefühls- und Zeichenwelten.

— Von Südenfed: Tromatic Reflexxions (Domino)

Keine Musiker, die weiter voneinander entfernt wären: die beiden deutschen Elektroniker Mouse On Mars und der englische Altinternationale Mark E. Smith von The Fall. Trotzdem: wie füreinander geschaffen.

— Jay-Z: American

Gangster (Universal)

Sein letztjähriges Comeback- Album war gut, wollte aber mit jeder Zeile und jedem Beat demonstrieren: Ich bin ein Hiphop-Klassiker. Das passte nicht. „American Gangster“ ist sehr gut. Jay-Z erzählt einfach aus seinem Leben als Drogendealer, und das passt.

— Timbaland presents: Shock Value (Warner)

Seine goldenen Produzentenhände hat Timbaland ja überall drin, demnächst auch im neuen Madonna-Album. Hier hat er sich selbst übertroffen: ein fulminantes Knallbumm auf engstem Raum mit Nelly, Justin, Missy und anderen Timbaland-Profiteuren.

— Nirvana: MTV

Unplugged in New York (Universal)

Wurde auch Zeit, dass es diese beste und legendärste MTV-Unplugged-Session auf DVD gibt. Cobain in Stoffturnschuhen und grüner Schlabberwolljacke, wie er da leicht gekrümmt sitzt und seine Songs krächzt. Gänsehaut.

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